Jupidi - Flirten via SMS

15. August 2008

Mit Jupidi ist ein neuer mobiler Flirtdienst in Deutschland gestartet. Der Service überprüft “Liebes-Chancen” von Jugendlichen.

Die Macher von Jupidi heißen Kjell Fischer, Jascha Samadi und Benny Schilling. Die Hamburger wollen den Jugendlichen helfen, beim ersten Flirtversuch keine öffentliche Abfuhr erleiden zu müssen. Die Kontaktanbahnung funktioniert bei Jupidi über eine SMS.

„Vor dem ersten Kontakt zwischen Verknalltem und Schwarm, prüfen wir, ob auch die umschwärmte Person Interesse zeigt. Erst danach wird der Kontakt zwischen beiden, entweder anonym über Jupidi oder direkt eins zu eins hergestellt“, so Kjell Fischer, Geschäftsführer und Gründer von Jupidi. Der Absender der Flirt-Botschaften muss 99 Cent für die erste SMS zahlen. Jede weitere Kurzmitteilung kostet 49 Cent. Für die angeflirtete Person entstehen keine Kosten.

Der mobile Flirtdienst, der von der Beteiligungsgesellschaft Neuhaus Partners und der KfW finanziell unterstützt wird, soll vor allem einsamen jugendlichen Herzen zwischen 12 und 19 Jahren das Flirten erleichtern.

Einsnullige Studenten versuchen, ihre Abschlussarbeiten auf kostenpflichtigen Plattformen zu Geld zu machen. Der PR-Absolvent Timo Lommatzsch von der FH Hannover hingegen veröffentlicht seine Bachelor-Arbeit zum Social Media Release als kostenloses E-Book unter einer Creative-Commons-Lizenz. Danke, Timo!

Worum geht es im E-Book? Ich versuch’s in meinen eigenen Worten: Im Prä-Blog-Zeitalter landeten irrelevante Pressemitteilungen und unerwünschtes PR-Material noch in den Papierkörben der zwangsbeglückten Nachrichten-Redaktionen. Die wilden Blogger aber bringen ihren Unmut mit PR-Spam häufig auf drastische Weise zum Ausdruck. Das schmerzt die Tanja-Anjas. Seither beginnen einige von ihnen zu verstehen, dass das Web 2.0 neue Kommunikationsinstrumente erfordert – nicht nur, um den Erfolg ihrer Arbeit zu erhöhen, sondern auch, um negative Eigen-PR in der Blogosphäre zu verhindern. Ein solches, viel diskutiertes Instrument ist der Social Media Release – wie Timo sagt, “ein (kleiner, erster) Schritt auf dem Weg, das seit Jahrzehnten etablierte Nachrichten- und Informationsvermittlungssystem von Unternehmen und Agenturen an die veränderten Informations-, Medienrezeptions- und Kommunikationsbedingungen im Internet anzupassen.”

Im ersten Teil seines E-Book beschreibt Timo, was es mit Social Media Releases auf sich hat: Wie werden sie gestaltet und distribuiert? Wie sind sie entstanden und welche Entwicklungen im Mediennutzungsverhalten liegen ihnen zu Grunde? Im zweiten Teil fasst er die Aussagen von sechs Interviewpartnern zusammen, die mit dem Einsatz von Social Media Releases bereits eigene Erfahrungen sammeln konnten.

Der Verdienst von Timos Arbeit liegt vor allem in der strukturierten Zusammenfassung der bisher im Netz vorliegenden zersplitterten Informations- und Diskussionshäppchen zum Social Media Release. Einen Vorgeschmack auf das E-Book liefert das folgende Schaubild, mit dem er zeigt, dass PR-Informationen im Web 2.0 nicht mehr nur für Medienschaffende konzipiert sein müssen, sondern auch eine direkte Kommunikation mit den eigentlichen Zielgruppen ermöglichen sollten.

Der Podcast zum E-Book

Zusammen mit Bastian Scherbeck betreibt Timo den Podcast Social Media PReview. Die beiden gehen ein Mal wöchentlich mit einem gut konzipierten und abwechslungsreichen Programm zum Thema Online-Relations auf Sendung. Das Potenzial von Social Media Releases haben sie bereits mehrfach diskutiert. Ein Muss-Podcast für jeden, der sich mit PR im Web 2.0 beschäftigt (siehe auch Achims Review).

Das Interview zum E-Book

Alex Wunschel hat Timo und Bastian zum Social Media Release interviewt (35 min). Ein empfehlenswertes Interview für alle, die ihre Augen mal wieder vom Bildschirm lösen möchten und die wichtigsten Infos zur Social Media Release auf auditivem Wege erfahren möchten.

Die Alpha-Journalisten

22. July 2008

Deutsche Print-Schreiber haben ein Problem entdeckt: Die Blogger. Im Vergleich zu den Weblog-Autoren fehlt es den deutschen Journalisten im Sommerloch nämlich an Themen. Und deshalb schreiben sie über Blogger.

Wenn das hier ein Magazinartikel wäre und kein Blog, dann ginge er natürlich anders los, vielleicht:

Was ist in Blogs nicht alles hineingeheimnisst und -geraunt worden. US-Blogger Glenn Reynolds verkündete in seinem Buch “An Army of Davids” aus dem Jahr 2006: “Die Macht, die einst in den Händen von wenigen Profis konzentriert war, ist umverteilt worden in die Hände der vielen Amateure.” Und der deutsche Philosoph Habermas erblickte im Internet die “Wurzeln einer egalitären Öffentlichkeit von Autoren und Lesern”.
(Zitat Spiegel Nr. 30, 21.07.2008, S.94)

Zum Glück ist das hier aber ein Blog, und deswegen muss ich jetzt nicht gleich den Habermas rauskramen und sage stattdessen: Schreiben ist wie Kochen. Prinzipiell kann das jeder machen, alles was man braucht sind ein paar Töpfe und ein Herd. Und weil das so einfach ist, machen es auch so ziemlich alle. Und wenn ich das, was ich da koche, jemand anderen essen lasse, dann ist das Bloggen. Das machen recht viele, die meisten kochen dabei eher schlecht, wenige richtig gut.

Verlage sind dann quasi Restaurant-Ketten und Journalisten die dort angestellten Köche. Die kochen halt eher für die Massen, und sie werden nur eingestellt, wenn sie richtig gut kochen können. Als Angestellte haben sie ein festes Einkommen, müssen dafür aber das kochen, was dem Restaurantbesitzer passt, und meistens schmeckt alles irgendwann ziemlich gleich.

In den USA gibt es mehr Menschen, und die essen auch mehr als die Menschen in Deutschland. Deshalb gibt es da nicht nur mehr Restaurant-Ketten, sondern auch generell mehr Köche. Die Köche, die nicht in Restaurant-Ketten arbeiten, sind durchschnittlich mindestens genauso schlecht wie die in Deutschland, aber es gibt halt mehr, und deshalb gibt es auch mehr gute. Außerdem gibt es ja mehr Leute, und die essen mehr, und deshalb können in den USA mehr Köche mit Kochen Geld verdienen, selbst wenn sie nicht in einem Restaurant angestellt sind.

Und was der Spiegel pünktlich zum Sommerloch herausgefunden hat, ist, dass in Deutschland die meisten, die nicht als Köche angestellt sind, nicht so gut kochen können. Und dass die Leute weniger essen als in den USA. Super.

(Hier noch die Meinung einiger anderer Köche, ähhh, Blogger: Spiegelfechter, medienlese, f!xmbr, CIO Blog, coffee and tv)

Facebook klagt studiVZ

20. July 2008

Das amerikanische Social Network Facebook hat eine Copyright-Klage gegen ihr deutsches Pendant studiVZ eingebracht. Zu nah sei die deutsche Kopie am “Look and Feel” des US-Konkurrenten dran.

StudiVZ, das der Verlagsgruppe Holtzbrinck gehört, soll künftig untersagt werden, weiterhin von Facebook.com zu kopieren. Da Gespräche mit StudiVZ zu nichts geführt hätten, sähe man sich jetzt gezwungen, den Rechtsweg zu beschreiten, sagte eine Facebook-Sprecherin der FTD. Eine 116-seitigen Klageschrift wurde bei einem US-Bezirksgericht in San Jose im Silicon Valley eingereicht. “Wir haben viel in die Technik und das Design investiert und glauben fest daran, dass unser Erfolg maßgeblich mit unserem einmaligem Erscheinungsbild zusammenhängt,” so Facebook-Justiziar Sam O’Rourke.

Die beiden Plattformen könnten nicht miteinander verwechselt werden, verteidigt sich Gründer Dariani in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. “Die Farben unterscheiden sich: StudiVZ ist rot, Facebook ist blau. Natürlich sei StudiVZ an Facebook angelehnt, doch die Software hinter der Seite kann man ja gar nicht kopieren, die muss man selbst schreiben”.

Facebook wurde 2004 vom Harvard-Studenten Mark Zuckerberg gegründet. StudiVZ ging rund 18 Monate nach Facebook an den Start. Facebook hat rund 80 Millionen aktive User, StudiVZ rund zehn Millionen und ist damit auf dem deutsprachigen Raum die Nr. 1 der Social Networks. Facebook fällt der Einstieg seit März 2008 in den deutschen Markt hingegen schwer, was nach Meinung der Kalifornier an StudiVZ liegt.

Unterdessen wird hinter den Kulissen über die Motive für die Klage spekuliert. Nicht unwahrscheinlich ist, dass Facebook eine Übernahme von StudiVZ anstrebt und diese so beschleunigen will.

Vor sechs Monaten habe ich die acht interessantesten Audio-Podcasts zu Themen im Web 2.0 vorgestellt. Inzwischen hat sich einiges getan in der Podosphäre: Zeit, die Liste zu überarbeiten.

Deutsche Podcasts

Kanal 142.gif
Vier Nasen tanken Super ist tot, es lebe Kanal 14! Sebastian Keil führt den erfolgreichen Web-2.0-Podcast seit Juni unter neuem Namen fort und spricht (zum Teil gemeinsam mit seinen alten Co-Moderatoren Nico Lumma, Mario Sixtus und Heiko Hebig) mit interessanten Gästen aus Webszene, Wirtschaft und Marketing. In den ersten Folgen diskutierten Podpimp Alex Wunschel und Handelsblatt-Redakteur Thomas Knüwer mit.

Social Media PReview
Timo Lommatzsch und Bastian Scherbeck gehen mit ihrem Podcast Social Media PReview seit März dem Einsatz von Social Media in Public Relations im Wochenrhythmus auf den Grund. Der Podcast ist aufwendig produziert und reicht im Spektrum von Interviews und Gesprächsrunden bis hin zu Buchbesprechungen und Erklärungen von PR-Begriffen.

Blick über den Tellerrand
Blick über den TellerrandAlex Wunschel ist Marketing- und Kommunikationsberater und so eine Art Urgestein der deutschen Podcaster-Szene. Die einen halten ihn für einen Schwafler, die anderen für den “almighty Podpimp”. An seinem Podcast “Blick über den Tellerrand” jedenfalls kommt keiner vorbei, der sich für die aktuellen Entwicklungen im Markt mit den neuen Medien - insbesondere mit Podcasts - interessiert.

bél etage
bél etageDie wirtschaftlichen Aspekte von Web 2.0 besprechen Thomas Knüwer und Hans-Peter Siebenhaar in dem vom Handelsblatt professionell produzierten Podcast “bél etage”. Die Podcast-Folgen sind oft mit hochkarätigen Interviewpartnern aus Medien, Werbung, PR und Marketing besetzt. Volontäre der Georg von Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten präsentieren ergänzend die Medien-Schlagzeilen der Woche.

Englischsprachige Podcasts

GillmorGang
Steve Gillmor ist eine der schillerndsten Figuren in Silicon Valleys Webszene. In seinem jeden Wochentag erscheinenden einstündigen Podcast (!) spricht er in einer Telekonferenz mit den Machern des Web 2.0 über die Zukunft des Internet, die – wenn es nach ihm geht – von Twitter dominiert sein wird. Doc Searls, Robert Scoble, Mike Arrington und Jason Calacanis zählen zu seinen ständigen Gästen, allein für diese prominente Besetzung lohnt das Zuhören. Wem die tägliche Web-2.0-Stunde nicht reicht, kann im ebenfalls täglich erscheinenden Schwesterpodcast NewsGang erfahren, warum Barack Obama nächster US-Präsident wird.

for immediate release
for immediate release Man braucht schon einen langen Arbeitsweg oder einen ereignislosen Feierabend, um regelmäßig alle Beiträge von Shel Holtz und Neville Hobson zu hören. Die beiden liefern zwei Mal die Woche ihren einstündigen Hobson and Holtz Report per RSS aus und dazwischenn unzählige Interviews und kurze Info-Clips. Wer bei der Informationsflut trotzdem mithält, wird mit einem umfangreichen Hintergrundwissen rund um PR, Kommunikation und Technologien im Web 2.0 belohnt.

This Week in Tech
This Week in Tech “This Week in Tech” - kurz TWiT - ist das Flaggschiff des Netcast Networks von Leo Laporte. Der US-amerikanische Journalist ist weltweit einer der erfolgreichsten Podcaster und hat sein Handwerk im professionellen Fernsehen und Radio gelernt. “This Week in Tech” glänzt vor allem mit einer hochkarätigen Besetzung an Netz-Experten und IT-Journalisten, die wöchentlich über Technologie, Web 2.0, Start-Ups und Medienkonzerne diskutieren. Dabei gewähren sie einen tiefen Einblick in die für uns Europäer so weit entfernte Welt des Silicon Valley.

net@nite

net@nite Ebenfalls zu Leo Laportes Netcast Network gehört net@nite. Die Kanadierin Amber MacArthur bespricht gemeinsam mit Leo Laporte die coolsten Webseiten, spannende YouTube-Persönlichkeiten und den Klatsch und Tratsch der amerikanischen Webszene. Net@nite wird als Live-Sendung aufgezeichnet, bei der Zuhörer anrufen und ihre Lieblingsseiten anpreisen können.