Interview mit Gleb Tritus - Townster
3. September 2007
Gleb Tritus, Mitgründer von Townster, spricht im Interview über die Idee, eine „Social Local Search“-Plattform zu schaffen. Weiters geht er auf die Gründungsphase, das Unternehmertum und die Pläne für die Zukunft näher ein.
Hi Gleb, wenn du dich bitte kurz vorstellst:
Ich bin einer der drei Gründer und Geschäftsführer von Townster. Vorher war ich u.a. fünf Jahre lang Stellvertrettender Chefredakteur bei der Krawall Gaming Network GmbH. Bevor ich Ende 2006 Townster angegangen bin, habe ich als Geschäftsführer der Affaires Media GmbH im Performance Marketing gearbeitet. Bei uns verantworte ich die „Content Unit“, also alles, was mit Inhalten zu tun hat (Pressearbeit, Community Management etc.).
Kannst du bitte das Konzept von Townster erläutern?
Townster ist eine Verbindung aus einem Social Network und einer lokalen Suche. Die Nutzer connecten sich bei uns über gemeinsame Locations, nicht nur wie üblich über gemeinsame Freundeskontakte. Der Clou: In dem die Nutzer ihre Lieblingslocations (z.B. Bar, Universität etc.) auf Townster eintragen und sich mit ihnen verbinden, können wir die Orte umfangreich klassifizieren (z.B. hinsichtlich Altersschnitt, Geschlechterverteilung, regionaler Einzugskreis etc.). Dies ermöglicht uns deutlich genauere und vor allem individuellere Ergebnisse in der lokalen Suche, als es bei klassischen Suchmaschinen der Fall ist. Die Vision ist, Townster auf diese Weise zu dem Suchschlitz für lokale Informationen auszubauen.
Wer steckt hinter Townster?
Ich habe Townster mit meinen langjährigen Freunden und Kollegen Thomas Mindnich und Thorsten Borsch gegründet. Thorsten verantwortet bei uns das Business Development, während sich Thomas um die Produktentwicklung kümmert. Der berufliche Background der beiden liegt ebenfalls im Performance Marketing.
Wie kam es zu der Idee? Wie lange habt ihr für die Umsetzung benötigt? Welche Stolpersteine musstet ihr von der ersten Idee bis zum eigentlichen Launch des Portals aus dem Weg räumen?
Die Initialzündung geht auf eine kuriose Begebenheit zurück: Als ich meinen Geschäftsführer-Kollegen Thorsten kennen gelernt habe, musste ich erstaunt feststellen, dass wir gemeinsame Freunde haben, einige Orte gemeinsam regelmäßig besuchen und sogar für eine kurze Zeit in derselben Straße in Köln gearbeitet haben. „Die Welt ist ein Dorf“, dachten wir uns. Als dann die Zeit für unseren lang gehegten Gründungswunsch reif war, haben wir uns auf dieser Basis in den Local-Search-Bereich reingetastet. Unser dritter Mann Thomas hatte schließlich unabhängig von uns beiden ein ähnliches Konzept aufgestellt, was die Startkonstellation perfekt machte.
Die Konzeptarbeit begann im November 2006, gefolgt von dem eigentlichen Coding ab Februar 2007. Gelauncht haben wir dann im Juli 2007. Der größte Stolperstein bis dahin war für uns die Entwicklersuche: Wir entwickeln in Ruby on Rails, was eine derzeit extrem hippe Programmiersprache ist, die an chronischem Personalmangel leidet. In diesem Bereich fähige Leute zu finden, die auch ein echtes „Startup-Commitment“ (Überstunden, hier und da ein wenig Chaos, Akzeptanz eines jungen Umfelds) mitbringen, kommt dem Sechser im Lotto gleich.
Worauf basiert das Business-Modell von Townster? Sind Investoren an Bord?
Wir haben ein dreistufiges Verwertungsmodell: Klassische Onlinewerbung mit Fokus auf regionales Targeting, Premiumservices für Gewerbetreibende sowie Content Syndication. Es ist bereits eine Reihe von bekannten Investoren an Bord, die wir demnächst teilweise nennen werden.
Wo siehst du die Stärken von Townster? Die Konkurrenz ist groß. Warum wird sich euer Portal durchsetzen?
Es ist Tatsache, dass Local Search das nächste große Thema im Netz wird, nicht zuletzt im Hinblick auf mobile Endgeräte. Der Markt ist riesig, schon jetzt gibt es eine Reihe von lokalen Suchmaschinen – die Stickyness ist allerdings branchenüblich gering, der Nutzwert der Suchergebnisse angesichts der starken Vertriebsausrichtung fragwürdig. Bei einer Suchmaschine kommt es schließlich nicht auf die Anzahl der Suchergebnisse an, sondern auf die Relevanz dieser für den jeweiligen Nutzer. Diesem Problem können wir durch die in meinen Augen sehr sinnige Integrierung des Social Networks entgegenwirken. Schließlich haben wir ein motiviertes Team und die beratende Unterstützung einiger großer Namen, was für mich ein extrem wichtiger Baustein ist.
Eine spannende Frage ist auch immer die des Wachstums. Mit welchen Marketing-Tools wollt ihr die Anzahl der Mitglieder von Townster rasch erhöhen?
Wir setzen wie so ziemlich alle Web 2.0-Startups auf virales Wachstum, das wir derzeit durch Pressearbeit und Offline-Promotion (u.a. Flyeraktionen, Sponsoring) ankurbeln. Von Freunden geworbene Nutzer sind für uns die wertvollsten, weil sie auf der Plattform erfahrungsgemäß schnell aktiv werden. Entsprechend hat dieser Kanal eine sehr hohe Gewichtung bei Townster.
Euer Erfolg steht und fällt mir der Bereitschaft der User, sich auf Townster anzumelden und mitzumachen. Habt ihr Angst davor, dass der Community-Bedarf der Menschen bald gesättigt ist?
Er ist schon jetzt sichtlich gesättigt. Besonders sehe ich das an meiner Person: Ich war schon immer sehr Technologie-affin und neugierig. Meine Bereitschaft, all’ die neuen Dienste auszuprobieren, hat sich arg gelegt – nicht, weil ich weniger Zeit habe, sondern weil eine extreme Reizüberflutung vorherrscht. Nichtsdestotrotz denke ich, dass man mit der richtigen Nutzwertsuggerierung immer noch gut Reichweite ziehen kann – Xing ist da ein Bilderbuchbeispiel. Als passiver Nutzer, der nur schnell etwas suchen will, braucht man sich bei Townster übrigens demnächst nicht mehr anzumelden – klar wollen wir lieber die angemeldeten Community-Nutzer, aber am Ende des Tages soll keiner ausgeschlossen werden.
Welche Ziele habt ihr euch fürs erste Jahr gesetzt?
Unser Fokus liegt ganz klar auf der Weiterentwicklung des Produkts: Bevor wir richtig durchstarten, müssen wir unsere Technologie Roadmap noch weiter abfahren. Ansonsten bauen wir derzeit unser Team aus und wollen circa fünf neue Gesichter bis Ende des Jahres bei uns haben – die entsprechenden Jobangebote gibt es hier.
Worauf sollte man deiner Ansicht nach besonders beim Gründen achten?
Vor allem auf die persönliche Belastbarkeit und das Commitment. Am Anfang ist jeder Feuer und Flamme für die jeweilige Idee, was bei den ersten, naturgemäß vorprogrammierten Rückschlägen in tiefe Bestürztheit umschlägt – das muss man dann schnell schlucken können. Noch wichtiger ist das Team: Aus persönlicher Erfahrung kann ich sagen, dass einem das beste Konzept nichts bringt, wenn die Leute dahinter nicht harmonieren. Es klingt etwas abgedroschen, doch die ausführende Riege ist meiner Meinung die absolute Messlatte.
Was reizt dich an der Selbstständigkeit?
Die Tatsache, für sich selber verantwortlich zu sein – zwar legt man hier viel öfter eine Bauchlandung hin, doch ab einem bestimmten Zeitpunkt an ist man in der Tat „seines Glückes Schmied“, wie es so schön heißt. Schließlich ist das Erfolgsgefühl eines Selbständigen, ob bei kleinen oder großen Milestones, einfach erfüllender.
Wie siehst du die Internetszene im deutschsprachigen Raum im Jahr 2007?
Ich sehe sie in diesem Jahr auf jeden Fall kurz vor dem Überkochen. Es gibt überraschend viele Konzepte mit Zukunft und versierten Teams. Allerdings reihen sich hinter ihnen jeweils fünf weitere Versionen ohne echte Differenzierung ein, was sich langsam zu dem altbekannten Imageproblem zusammenbraut.
Neben Townster wirst du wohl auch noch ein paar andere Seiten besuchen. Verrätst du uns, welche?
Ja, einige – derzeit verstärkt Wazap.com, Technorati.com und das uns allen bekannte Xing.
Danke Gleb! Ich wünsche euch viel Erfolg.
Das E-Interview führte Thomas Gabriel von Internetszene.com am 01.09.2007.


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3. September 2007 um 2:37 pm
[...] Ein nettes Interview mit Gleb Tritus, dem Gründer von Townster, findet man neuerdings auf internetszene.com - Townster ist ein schlichtes Social Network, welches jedoch lokal ausgerichtet ist. User sollen sich über gemeinsame Locations et cetera “finden”, bzw. so sollen Kontakte geknüpft werden. Das funktioniert natürlich nur, wenn jeder User auch seine Locations eingetragen hat. [...]
4. September 2007 um 12:33 pm
Die Aussage bzgl. gründen und Team kann ich nur unterstreichen. Die Beste Idee und auch das meiste Geld der Welt nützt nichts wenn ich nicht die passenden Leute finde. Das stelle ich mehrmals täglich fest.
Ergo: TEAM noch vor Idee und noch vor Geld!
22. September 2009 um 11:23 am
Hallo,
wer sich zum neuen Townster, das derzeit in Berlin fertig entwickelt wird, informieren möchte, kann dies nun mit den zwei Artikeln auf Deutsche-Startups und Förderland.de tun! Viel Spaß, wir freuen uns auf den Start in wenigen Wochen!
Philipp Böttcher (Marketing / Online-Marketing)