Interview mit Hubertus Bessau - mymuesli
5. November 2007
Mit dem Konzept “Müsli individuell online mixen” haben 3 Studenten aus Passau ein erfolgreiches Startup aufgebaut. Wie die Idee von mymuesli entstanden ist, ob die Teilnahme an Businessplan- Wettbewerben sinnvoll ist und welche weiteren Erfahrungen die Jungunternehmer seit der Gründung gemacht haben, erzählt Hubertus Bessau im Interview.
Hi Hubertus,
wenn du dich bitte kurz vorstellst:
Ich bin einer der drei Jungs von mymuesli, man könnte also sagen, ein “Cereal Entrepreneur”. Seit unserem Launch vor ca. 6 Monaten bin ich u.a. für Marketing und IT verantwortlich.
Kannst du bitte das Konzept von mymuesli kurz erläutern?
mymuesli liefert jedem sein ganz persönliches Lieblingsmüsli direkt nach Hause oder ins Büro - zusammengestellt aus über 70 Bio-Zutaten.
Wer steckt hinter mymuesli?
Max, Phil und Hubs. Drei Freunde, die zusammen in Passau studiert haben.
Wie kam es zu der Idee? Wie lange habt ihr für die Umsetzung benötigt?
Es ist schon etwas länger her (so ungefähr 3 Jahre) da hat uns eine Radiowerbung für Müsli so genervt, dass wir beschlossen die besser zu machen. Naja, aber zu einer guten Werbung gehört eben auch ein gutes Müsli… was anfangs wie ein Scherz klang (auch für uns), wurde über die Monate immer konkreter. Irgendwann haben wir uns gesagt, dass wir das jetzt durchziehen müssen. Wir wollten unbedingt wissen, ob es funktioniert, oder wir die einzigen sind, die ihr absolutes Lieblingsmüsli nicht im Supermarkt finden können. Mittlerweile konnten wir diese Frage beantworten. Die Radiowerbung steht allerdings noch aus
Welche Zielgruppe und Zielmärkte sprecht ihr an?
Eigentlich alle, die erkannt haben, dass ein gutes Müsli die beste Wahl für die wichtigste Mahlzeit am Tag ist. Den anderen müssen wir das noch erklären. Das ist gar nicht so einfach, wo viele Müslihersteller ihre Produkte als gesund bewerben, obwohl sie extrem viel Zucker und Fett enthalten. Gerade viele Crunchy-Müslis enthalten so viel gesättigte Fettsäuren, dass ein Nutella-Toast morgens doch gesünder wäre.
Ihr habt in fünf Monaten einen Umsatz von rund 125.000 Euro erzielt. Entspricht dies euren Erwartungen?
Wir haben keinen Business Plan geschrieben. Dem entsprechend hatten wir auch wenig Erwartungen. Uns hat interessiert, ob es funktioniert. Nicht gerechnet hätten wir mit dem immensen Blog- und Medien-Echo. (Und damit, dass es uns bereits nach wenigen Tagen fulltime ausgelastet hat.)
mymuesli gehört zu den Gewinnern von enable2start, der Gründerinitiative von der Financial Times Deutschland. Herzliche Gratulation! Ihr habt damit nicht nur Ruhm und Ehre, sondern auch noch 50.000 Euro mit nach Hause nehmen können. Könnt ihr anderenStartups empfehlen, an Businessplan-Wettbewerben teilzunehmen?
Ja, aber viel wichtiger als das Geld sind die Kontakte, die man dort knüpft. Wenn einem der Bionade-Geschäftsführer seine Visitenkarte mit den Worten, “Klar machen wir was zusammen!” in die Hand drückt, ist das nicht nur ein super Gefühl, sondern könnte auch die eigene Idee weiter voran bringen.
Seit kurzem gehören Lukasz Gadwoski und Kolja Hebenstreit zum mymuesli-Team. Was erhofft ihr euch dadurch? Wollt ihr weitere Investoren ins Boot holen?
Bei Lukasz und Kolja ging es weniger um das Investment, als um deren Erfahrung, die mymuesli weiter helfen sollte (und auch tut). Wir haben einige gute Business Angels getroffen, die Wahl fiel schwer. Ausschlaggebend war dann aber, dass Spreadshirt eigentlich genau das gleiche macht wie wir. Nur halt mit T-shirts statt mit Müsli.
Wenn wir in andere Märkte expandieren wollen, sind wir sicherlich auf externes Kapital angewiesen…
Wie sieht eure Wachstumsstrategie aus? Welche Ziele habt ihr euch für’s erste Jahr gesetzt?
Im Wesentlichen wollen wir besser (und schneller) werden und möglichst vielen Leuten ihr Lieblingsmüsli mixen - auch außerhalb Deutschlands.
Ihr seid relativ junge Gründer. Was war die Motivation, euch in diesem Alter schon selbständig zu machen?
Genau das. Unser Alter. Wann hat man im Leben später die Chance, sich voll auf eine Idee zu konzentrieren, wenn nicht während und kurz nach dem Studium? Keine Familie, die man unterhalten muss, kaum Verpflichtungen, niedrige Lebenshaltungskosten.
Verrätst du uns deine größte Fehlentscheidung seit der Gründung und auf welche getroffene Entscheidung bist du besonders stolz?
Puh. Der größte Fehler war sicherlich, die Website selbst zu programmieren - weil ich eben nicht Informatik studiert habe, sondern BWL. Das hat mich 6 Monate gekostet, die ich hätte besser nutzen sollen. Außerdem ist die Seite jetzt schlecht erweiterbar, verträgt viel Traffic nicht so gut und muss komplett neu programmiert werden.
Stolz? Vielleicht darauf, dass wir mit mymuesli eine Idee wirklich umgesetzt haben. Es gibt sehr viele Ideen, auch gute, aber es fehlt an Leuten, die bereit sind und das Risiko eingehen, unternehmerisch tätig zu werden.
Worauf sollte man deiner Ansicht nach besonders beim Gründen achten?
Auf die Wahl der richtigen Partner. Damit steht und fällt so einiges. Also wählt man nur die besten oder lässt es gleich. Neben meinen beiden Mitgründern, Philipp und Max, sind das bei mymuesli aktuell DHL und seit neuestem die Andechser Molkerei.
Wie siehst du die Internetszene im deutschsprachigen Raum?
Sehr positiv. Es tut sich einiges. Es gibt viele gute Ideen und interessante Gesprächspartner. In der Zeit nach dem dotcom-crash war es viel zu ruhig geworden. Alle werkelten abgeschottet vor sich hin, keiner traute sich zu sagen, “ich bin ein Gründer”. Das ist 2007 ganz anders und ich hoffe, der nächste Crash lässt noch länger auf sich warten.
Neben mymuesli wirst du wohl auch noch ein paar andere Seiten besuchen. Verrätst du uns, welche?
Neben diversen Blogs (demnächst auf unserer Blogroll - wir kommen einfach nie dazu, die mal einzurichten; echt peinlich) und news-Portalen bleibt gerade nicht viel Zeit für entspanntes Surfen. Meistens lande ich dann auf Seiten und befreundeten Startups, aktuell z.B. meinverein.de, netmoms.de, amiando.de, mycluster.tv etc., ist immer interessant, deren Entwicklung zu beobachten und sich abzustimmen.
Dein Schlusssatz?
Dieses Jahr wird Weihnachten gesund!
Vielen Dank!
Dir auch und beste Grüße, Hubertus!
Das E-Interview führte Thomas Gabriel von Internetszene.com am 05.11.2007.


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