Interview mit Jens Kammerer - KWICK!
21. December 2007
Was 1999 als studentisches Freizeit-Projekt angefangen hat, ist mittlerweile zu einer der größten Community Deutschlands geworden. Jens Kammerer, der Geschäftsführer von KWICK!, spricht im Interview über die Entwicklung der Erlebnis-Community, das Geschäftsmodell und wie sich KWICK! von der Konkurrenz abheben will.
Hi Jens,
was ist KWICK!?
KWICK! ist eine unabhängige und eigenständige online-basierte Erlebnis-Community mit bisherigem Schwerpunkt in Baden-Württemberg. Die Mitglieder der KWICK! Community treffen jedoch nicht nur im virtuellen Raum aufeinander, sondern begegnen sich bei diversen Aktivitäten und Events, die von den Mitgliedern selbst oder von KWICK! organisiert werden, auch im realen Leben.
Was steckt hinter dem Konzept?
Das Besondere an KWICK! ist, dass aufgrund der Entstehungsgeschichte die Community auch einen Event-Charakter beibehalten hat. Schließlich war das Online-Projekt zunächst ein Internet-Magazin zur Organisation von Events, aus dem sich die kommunikative Komponente erst mit der Zeit herausgebildet hat. Diese Kombination ist bislang einzigartig und ermöglicht sowohl virtuellen als auch persönlichen Kontakt. Gerade die Verbindung der realen und virtuellen Welt ist das Einzigartige an der KWICK! Community.
Woher kommt der Name KWICK!?
An dem Beispiel der Namengebung wird deutlich, wie groß der Einfluss der Medien manchmal sein kann. Als die Website 1999 gegründet wurde, war ich ein großer Fan der US-amerikanischen TV-Serie “The Simpsons“, in der ein Supermarkt Namens “Kwik- E-Mart“ vorkommt. Daraus entstand die Idee, das neue Internetangebot auf den Namen KWICK! zu taufen.
Welche Zielgruppen sollen mit dem Angebot angesprochen werden?
Unser Angebot richtet sich vor allem an junge und jung gebliebene Menschen. Wie auch in den USA sind es überwiegend Jugendliche, die sich in Online-Netzwerken engagieren. So sind 55 Prozent der amerikanischen Jugendlichen in mindestens einer Community registriert. Diesen Wert kann KWICK! toppen. In Baden-Württemberg haben 63 Prozent der Jugendlichen ein Profil bei KWICK!. Jeder Onlinenutzer ab 14 Jahren kann an der KWICK! Community teilhaben. Und das Beste: Das Angebot von KWICK! ist kostenlos.
Wie viele Mitarbeiter hat KWICK!?
Aktuell hat KWICK!, das ursprünglich ja als studentisches Projekt gestartet ist, 33 Mitarbeiter und weit über 200 engagierte freiwillige Helfer für den Online- und 600 für den Offline-Bereich. Dazu kommen die regionalen Büros in Berlin, Hamburg und München.
Bisher ist KWICK! regional auf Baden-Württemberg und Umgebung orientiert. Mit über 1.100.000 registrierten Nutzern gehört KWICK! trotzdem zu den meist frequentierten Seiten in Deutschland. Welche Strategie verfolgt ihr, um das Konzept deutschlandweit durchzusetzen?
Aus der bereits bestehenden Community und der außerordentlichen Aktivität unserer Mitglieder sowie dem Interesse der Jugendlichen in Baden-Württemberg an unserer Community schließen wir, dass in Deutschland eine große Nachfrage nach dieser Art von Netzwerken besteht, der wir nun bundesweit nachkommen möchten. Wichtig ist, dass für die Nutzer in den Ballungsgebieten ein starker regionaler Bezug vorhanden ist, damit sich die Community ausbauen kann. Dadurch werden die Voraussetzungen gegeben, dass sich die Mitglieder nicht nur Online treffen können, was ja ein zentraler Aspekt von KWICK! ist.
Auch andere Communities, wie zum Beispiel die Lokalisten, StudiVZ oder MySpace, bewegen sich auf ähnlichem Terrain. Wodurch hebt sich KWICK! von dieser Konkurrenz ab?
Gerade der regionale Bezug wird auch bei der deutschlandweiten Umsetzung von KWICK! eine bedeutende Rolle spielen. Dadurch, dass den Nutzern in Zukunft auch in den Großraum-Gebieten München, Hamburg und Berlin ähnliche Bezugspunkte geboten werden, wird eine mögliche Anonymisierung verhindert. Dazu kommt die bereits angesprochene Verbindung zwischen Internet und realem Leben. Unsere Mitglieder treffen sich eben nicht nur auf KWICK!, sondern Sie nutzen KWICK! als Kommunikationsweg, um sich zu verabreden. Sie können mit KWICK! etwas erleben. Zusätzlich veranstalten wir jährlich über 200 Events, bei denen uns die Mitglieder tatkräftig unterstützen – dazu kommen noch ungefähr genauso viele Events, welche die Mitglieder selber für andere Mitglieder veranstalten. KWICK! Mitglieder stehen mitten im Leben.
Eine Besonderheit von KWICK! ist, dass sehr viele Nutzer sich freiwillig und unentgeltlich für die Community einsetzten, zum Beispiel bei Promotion-Aktivitäten. Wie erklärt ihr euch dieses Phänomen?
Auch hier spielt die regionale Verankerung sowie die Historie aber auch die Kultur der Community sicherlich eine wichtige Rolle. Die Mitglieder erleben immer wieder an der eigenen Person, dass sie zunächst online bestehende Kontakte und Ideen auch in ihrem real bestehenden sozialen Umfeld erleben können. So entsteht eine besondere Form von Wir-Gefühl, das bei reinen Internet Communities auf der Strecke bleibt. Auch die Tatsache, dass über KWICK! mittlerweile Nutzer Inhalte für andere Nutzer erstellen, ist wahrscheinlich dieser besonderen Form des Zusammenhalts zuzuschreiben. Im Übrigen helfen uns unsere Volunteers nicht nur bei Events, sondern auch bei der Pflege und Realisierung unseres Online-Auftrittes. Wir haben nicht nur User generated Content, wir sind auch ’User managed’.
KWICK! war zu Beginn des Online-Auftrittes 1999 sehr eventorientiert. Wie kam es dazu, dass heute der Bereich der Online Community so stark ausgebaut ist?
Das stimmt, zu den Anfangszeiten von KWICK! lag der Schwerpunkt der Aktivitäten auf Veranstaltungstipps, Kontaktanzeigen und anderen redaktionellen Inhalten. Die Weiterentwicklung bis zur heutigen Community fällt zeitlich mit dem Einstieg von Benjamin Roth, der heute Leiter von Technik und Entwicklung ist, zusammen. Anfang 2001 ging die Community dann online und der große Zuspruch führte dazu, dass sich das Segment immer weiter vergrößerte. Natürlich versuchen wir dabei auch beständig mit neuen Möglichkeiten und Features für die User einen größtmöglichen Anreiz zu bieten.
Bisher zeichnet sich die KWICK! Community dadurch aus, dass die User nicht nur online kommunizieren, sondern auch Offline-Aktivitäten planen. Befürchtest du nicht, dass diese Besonderheit bei einer deutschlandweiten Ausbreitung auf der Strecke bleiben könnte?
Natürlich haben wir uns diese Frage auch gestellt. Allerdings sind wir uns sicher, dass das Konzept der regionalen Verankerung, die in den neuen Ballungszentren aufgebaut werden soll, ebenso wie in Baden-Württemberg Erfolg haben wird. Durch die Ausdehnung auf weite Räume Deutschlands bieten wir den Nutzern somit nur noch mehr Möglichkeiten, neben Online- Aktivitäten auch real in Kontakt zu treten.
Ein charakteristisches Merkmal von KWICK! sind die sogenannten Clans, die von den Mitgliedern selbst gegründet werden können. Wie stellt ihr sicher, dass diese Foren nicht zur Verbreitung von verfassungswidrigen Inhalten missbraucht werden?
Inzwischen haben wir auf KWICK! über 6.500 verschiedene Clans und es werden täglich zum Teil 15.000 Forumseinträge gepostet und Millionen von Messages verschickt. Diese enorme Anzahl an Daten könnten wir alleine natürlich nicht ständig im Blick behalten - hier sind wir auf unsere vielen Volunteers aber auch Mitglieder angewiesen, die uns nicht nur bei Events, sondern auch bei der Pflege und Administration unseres Online-Auftrittes unterstützen. Dadurch können wir zu einem bestimmten Grad sicherstellen, dass solche Inhalte nicht verbreitet werden. Wir nennen das eine Art „Selbstreinigungsprozess“. Wie erfolgreich dies funktioniert, zeigt sich auch daran, dass KWICK! einen der wenigen vom Jugendschutznetz empfohlenen Chats hat.
Wie wird KWICK! finanziert? Sind in Zukunft kostenpflichtige Bereiche geplant?
KWICK! ist eine unabhängige und eigenständige Community, das bedeutet, dass hinter uns kein anderes Unternehmen oder Sponsoren stehen. Wir finanzieren uns rein durch Werbung, vor allem Onlinewerbung, und Veranstaltungen. Natürlich tragen auch unsere über 200 freiwilligen Mitarbeiter dazu bei, dass unser Angebot weiterhin kostenfrei bleiben kann.
Mit welchen Features wollt ihr eure Mitglieder auch in Zukunft an KWICK! binden?
Natürlich möchten wir, dass sich unsere Mitglieder bei uns wohl fühlen. In diesem Sinne werden auch immer wieder neue Features entwickelt, die zum Beispiel die Kontaktaufnahme und die Kommunikation erleichtern oder einfach die Nutzerfreundlichkeit erhöhen. Dies haben wir zum Beispiel mit KWICK 2.0, dem Relaunch unseres Onlineauftrittes am 5. Mai 2007, realisiert. Äußerst wichtig waren uns bei der Neugestaltung das Feedback und die Ideen unserer Mitglieder. Wünsche, die realisierbar sind, werden auch umgesetzt, konstruktive Kritik stößt bei uns immer auf offene Ohren. Wir werden solange an der Seite arbeiten, bis jeder damit zufrieden ist.
Wo siehst du KWICK! in 5 Jahren?
Wir sind mit unserem Web-Angebot nun zwar schon rund acht Jahre online, aber fünf Jahre sind in unserer schnelllebigen Branche ein sehr langer Zeitraum. Wir konzentrieren uns jetzt erst einmal auf die bundesweite Ausweitung von KWICK!. Was danach kommt? Wer weiß…
Danke Jens für das Interview! Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg.
Das E-Interview führte Thomas Gabriel von Internetszene.com am 21.12.2007.


RSS abonnieren
21. January 2008 um 6:23 pm
Sehr schönes Interview.
Es ist sehr interessant, was so manchem Studenten- oder SEO- Projekt geworden ist ;-).