Angestoßen durch diesen Blog-Eintrag des Soziologen und Community-Forschers Dr. Kai-Uwe Hellmann kam ich zur Ehre, auf dem BarCamp Hannover mit ihm und mit Markus Burgdorf, dem Gründer des Online-Marktplatzes amprice, eine relativ spontane Session zum Thema “Zahlenfetischismus und das Marketing von Online-Communities” zu halten. Ich fand die Diskussion mit den beiden Herren sehr spannend – nicht zuletzt deswegen, weil wir alle gänzlich unterschiedliche Sicht- und Herangehensweisen einbrachten.

Als bekennender Zahlenfetischist plädierte ich dafür, Plattform-übergreifende, standardisierte Modelle für die Messbarkeit der Qualität von Online-Communities zu etablieren. Demgegenüber beklagte Markus aus seinem Praktiker-Erfahrungsschatz, wie Community-Betreiber von Social Networks unterschiedliche Kennzahlen bewusst zur Wettbewerbsverzerrung einsetzen – und damit angeblich nicht nur oft erfolgreich sind, sondern auch ehrliche Anbieter zum Lügen mit Statistik zwingen. Kai-Uwe vertrat eingangs die These, die Qualität von Communities ließe sich nicht sinnvoll durch quantitative Methoden erfassen – (für mich) erstaunlicherweise bewegte er sich aber im Laufe der Diskussion immer weiter in Richtung quantitativer Messgrößen (oder muss ich diesen Eindruck unter selektiver Wahrnehmung verbuchen?). Am Schluss stand auch dank der äußerst regen Beteiligung vieler Session-Teilnehmer ein relativ homogenes Fazit im Raum:

Wir benötigen…

  1. …Messgrößen, die das tatsächliche Engagement und Involvement der Mitglieder einer Community abbilden. Derzeit populäre Kennzahlen – insbesondere die häufig durch Karteileichen verzerrte Mitgliederzahl – müssen an Bedeutung verlieren, denn sie transportieren erstens wenig Informationen über den tatsächlichen Zustand einer Community und werden zweitens in der Praxis mit dirty tricks getürkt.
  2. …eine unabhängige Instanz zur Er- und Vermittlung dieser Messgrößen, wie sie beispielsweise die IVW und die AGOF in der Reichweitenmessung darstellen. Nur so kann eine harte Währung für Community-Qualität geschaffen werden, der alle Marktpartner vertrauen.

Unter anderem durch die (lohnenswerte) zeitliche Belastung, die die Mit-Organisation des BarCamps erfordert hatte, hatte ich kaum Zeit gehabt, mich auf die Session vorzubereiten. Als völlig unbeschriebenes Blatt beim Thema Community-Forschung versuchte ich, den Input aus der Session und aus meiner einzigen Vorbereitungslektüre fortlaufend in Gedanken zu strukturieren. Vielleicht hörte der ein oder andere Session-Teilnehmer die Zahnräder in meinem Oberstübchen mahlen – heraus kam ein bescheidenes, nach der Session hastig auf Papier gekritzeltes Schema, das ich morgen versuche, hier im Blog abzubilden. Erst mal schlafen gehen…

Update

Ich bin gerade etwas unter Zeitdruck mit all den Dingen, die durch die BarCamp-Organisation liegen geblieben sind. Fortsetzung folgt deshalb später, genauso wie ich auch die Fortsetzung der Reihe zum Blog-Monitoring nicht vergessen habe. 24 Stunden pro Tag sind viel zu wenig, wer hat sich das bloß so ausgedacht…

PS: Auch Kai-Uwe Hellmann und Markus Burgdorf haben zu unserer Community-Session gebloggt.

1,739 Kommentare zu “Kennzahlen zur Community-Forschung (1)”

  1. Diskussion zur Messbarkeit von Online-Communities | Das Tagebuch von amprice sagt:

    [...] Michael Ellensohn im Blog Internetszene.com Diesen Artikel eintragen bei: [...]

  2. Online Community Metrics « Commercial Communities sagt:

    [...] Der nächste Schritt könnte demnach sein, sich über ein Meßverfahren zu verständigen, das geeignet ist, derart Qualitatives wie Communities in Quantitatives zu überführen, so wie es das Anliegen von Michael Ellensohn war. [...]

  3. WhatsYourPlace » Blog Archive » Wie viele Visits macht ein Unique User? sagt:

    [...] Benchmarks möchte jeder bekennende Zahlenfetishist, nur kaum einer gibt selbst die eigenen Benchmarks preis. Dies zeigt, dass im Markt für Social Networks Bedarf besteht an einer neutralen Instanz, die Benchmarks zu alternativen Messgrößen einholt und in anonymisierter Form verteilt - schon allein, um die Systemkatastrophe zu verhindern - offenbar habe ich die interessanteste Session vom Barcamp Hannover verpasst [...]

  4. Warum wir eine Arbeitsgemeinschaft Blog- und Communityforschung brauchen at viralmythen sagt:

    [...] Eine spannende Diskussion über die Messbarkeit von Onlinecommunities hat auf dem BarCamp in Hannover stattgefunden (vgl. dazu die Beiträge von Kai-Uwe Hellmann, Michael Ellensohn). Ich hatte auf diesem Blog ebenfalls etwas über diese Thema geschrieben und mit der metaroll eine alternative Blogrollmetrik entwickelt, mit der die langfristige Relevanz von Blogs sowie ihre dauerhafte Vernetzung untereinander dargestellt werden kann. Rivva bietet Informationen darüber, welche Themen in der Blogosphäre am intensivsten diskutiert werden und welche Blogs „aus Schneebällen Lawinen rollen“, so Frank Westphal. Außerdem gibt es natürlich auch noch die auf der Verlinkung von Einträgen und Blogs basierende Technorati-Authority, die z.B. auch die Grundlage für die Deutschen Blogcharts sind. [...]

  5. Arbeitsgemeinschaft Social Media » Blog Archive » Warum wir eine Arbeitsgemeinschaft zur Blog- und Communityforschung brauchen sagt:

    [...] Eine spannende Diskussion über die Messbarkeit von Onlinecommunities hat auf dem BarCamp in Hannover stattgefunden (vgl. dazu die Beiträge von Kai-Uwe Hellmann, Michael Ellensohn). Ich war leider nicht dort, hatte jedoch auf diesem Blog ebenfalls etwas über diese Thema geschrieben und mit der metaroll den Versuch unternommen, eine alternative Blogrollmetrik zu entwickeln, mit der die langfristige Relevanz von Blogs sowie ihre dauerhafte Vernetzung untereinander dargestellt werden können. Rivva bietet Informationen darüber, welche Themen in der Blogosphäre am intensivsten diskutiert werden und welche Blogs „aus Schneebällen Lawinen rollen“, so Frank Westphal. Außerdem gibt es natürlich auch noch die auf der Verlinkung von Einträgen und Blogs basierende Technorati-Authority, die z.B. auch die Grundlage für die Deutschen Blogcharts sind. [...]

  6. internetszene.com » Archiv » Kennzahlen zur Community-Forschung (2) sagt:

    [...] Nachdem ich im ersten Teil kurz das Ergebnis unserer Session “Zahlenfetischismus und Communities” auf dem BarCamp Hannover zusammengefasst habe, will ich mich nun konkreter damit beschäftigen, wie Communities auf standardisierte Weise miteinander verglichen werden könnten. Ein solcher Vergleich ist vor allem wichtig, um (beispielsweise als Vermarkter oder Investor) den aktuellen Wert einer Community einschätzen und benchmarken zu können. [...]

  7. FCC Fridays: November 25, 2011 | jeremypinc.com sagt:

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  8. Drought puts damper on tree farmers’ Christmas (Providence Journal) | Friendship Quotes From Lyrics sagt:

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