Blog-Monitoring: Wie funktioniert’s? (2)
27. February 2008
An euren Feedbacks auf meinen (mittlerweile schon etwas älteren) ersten Beitrag zum Thema Blog-Monitoring sehe ich, dass die meisten von euch an klaren praktischen Lösungen interessiert sind. Deshalb schiebe ich als Antwort auf den Kommentar von Thomas diesen Beitrag zu konkreten Tools und Verfahren ein, bevor ich dann hoffentlich in naher Zukunft auf die Hintergründe zur Inhaltsanalyse eingehe.
Hallo Thomas,
Da meine Antwort als Kommentar etwas lang ausfallen würde, antworte ich dir mit einem eigenen Eintrag. Die Lösungen, die ich hier anspreche, sind zwar nicht zu 100% wissenschaftlich einsetzbar, aber für die Unternehmenspraxis in der Regel ausreichend. Wenn ich dich richtig verstanden habe, möchtest du eine klar umrissene Grundgesamtheit von Corporate Blogs, vielleicht auch Foren und andere Micro-Publishing-Formate auf der Unternehmens-Website nach unerwünschten Kommentaren und produktspezifischen Fragen monitoren, um darauf zeitnah zu reagieren. Das wäre relativ einfach, wenn du dich auf klar definierte Schlagworte beschränken kannst und alle diese zu beobachtenden Formate einen Feed aussenden. Dann benötigst du einfach einen Feed-Reader mit Filter-Funktion, der die Feeds aus den für dich interessanten Quellen aufgreift. Hier findest du beispielsweise beschrieben, wie das mit Bloglines funktioniert. Da du dich auf einige wenige Feeds beschränken möchtest, abonnierst du diese zuerst, dann wählst du in der Advanced Search unter dem Punkt “Limits” die Option “Search only My Feeds” aus. Nun fügst du so viele Suchphrasen hinzu, wie du möchtest (bzw. wie Bloglines zulässt, falls es da eine Grenze gibt) und abonnierst auf der Ergebnis-Seite diesen Filter als eigenen RSS-Feed. Voilà, schon musst du nicht mehr jeden Tag alle Feeds lesen, sondern nur mehr die für dich relevanten.
Problematisch wird es einerseits, wenn du über feste Suchphrasen hinausgehen möchtest – das klingt für mich bei deiner Frage durch. Dann brauchst du einen Filter, der mit Techniken der künstlichen Intelligenz arbeitet – oder du brauchst menschliche Intelligenz in Form von Mitarbeitern, die die ganzen Feeds ständig lesen. Künstliche Intelligenz macht dann Sinn, wenn die Feeds so zahlreich sind, dass das “händische” Lesen zu teuer wäre und wenn es kein Weltuntergang ist, sollte das KI-Tool mal etwas Wichtiges übersehen (wobei das theoretisch auch einem Mitarbeiter passieren kann). Ein großer Vorteil von KI ist neben den möglicherweise geringeren Kosten, dass diese Tools 24/7 ohne Pause durcharbeiten. Für solche automatisierte Filter musst du derzeit meines Wissens (auf jeden Fall im deutschsprachigen Raum) in die Geldtasche greifen und dich an professionelle Dienstleister wenden – dafür hat sich David von Ethority angeboten. Ein weiterer Anbieter, der mir spontan einfällt, ist bc.lab und seit Ende letzten Jahres ist angeblich auch Nielsen mit BuzzMetrics im deutschsprachigen Markt aktiv. Zu Qualität, genauen Leistungen und Kosten der unterschiedlichen Anbieter kann ich dir leider nichts sagen.
Ein weiteres Problem kommt auf dich zu, wenn du Nutzer-generierte Inhalte monitoren möchtest, die nicht per Feed ausgesandt werden (beispielsweise Foren ohne Feed-Funktion). Dann musst du klassische Volltextsuchmaschinen nutzen, die einen Crawler aussenden und dadurch natürlich immer etwas Latenzzeit aufweisen. Die Suche nach bestimmten Schlagworten kannst du beispielsweise bei Yahoo! Pipes oder Google Alerts einrichten. Auch die Volltextsuchen beherrschen derzeit noch keine verlässlichen semantischen Suchen (obwohl du mal spaßhalber mit der Tilde bei Google rumspielen kannst - im Beispiel siehst du, dass Google dann auch nach dem Wort “Jaguar” sucht, wenn du “~Daimler” eingibst). Auch hier gilt also für intelligente Filter, dass du dir entweder die Technologie kaufen musst oder Mitarbeiter dafür brauchst.
Ich hoffe, ich konnte dir helfen - schönen Gruß nach München,
Michael
Nachtrag
Zum Do-it-yourself-Monitoring schau dir unbedingt auch diesen Beitrag von Thomas Pleil an unbedingt ins PR-Wiki. So, und jetzt ist bei mir echt mal Sendepause für ein paar Tage angesagt… ![]()

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28. February 2008 um 11:38 am
Guten Morgen Michael und besten Dank für Deine umfangreiche Antwort. Genaus so habe ich mir das gedacht. Wenn es wirklich wichtig also brisant wird, und das ist es tendenziell immer bei corporate blogs, dann ist der Einsatz von Personal zur Indexierung notwendig. Beste Grüße aus München, Thomas Zacharias
29. February 2008 um 2:43 pm
Ich bin bei Christiane Schulzki-Haddouti auf einen gut geschriebenen Beitrag zum News-Monitoring mit Pipes gestoßen. Das ist bestimmt auch aufschlussreich für dich.