Halbgare Idee: Paramount’s VooZoo
12. March 2008
Vor zwei Tagen hat das Filmstudio Paramount seine Facebook-Applikation VooZoo gestartet. Damit können Facebook-Nutzer Ausschnitte aus Paramount-Filmen auf ihre Profilseiten posten und an Freunde senden. Paramount will „auf die zunehmend hohe User-Nachfrage nach einem kurzen, wie beispielsweise auf YouTube gängigen Videoformat“ reagieren (via). Ich habe mir kurz Zeit genommen, die Applikation zu testen.

Die Filmindustrie muss schon seit langem dabei zusehen, wie Filmausschnitte oder ganze Filme auf Video-Sharing-Plattformen verbreitet werden. Paramount will die Dynamik des Web 2.0 mit VooZoo nun für sein virales Marketing nutzen: „Durch das Zerstückeln unserer Filme wollen wir die Verbreitung unserer Produkte so weit wie möglich vorantreiben“, lässt sich Paramount-Mitarbeiter Derek Broes in einer Pressemitteilung zitieren.
Mit der Applikation können Facebook-Nutzer nach bereitgestellten Clips (so genannten Voohoos) suchen, sie an Freunde weitersenden und innerhalb der Applikation sammeln. Clips lassen sich natürlich auch auf die eigene Profilseite posten. Zusätzlich zur erhofften Mundpropaganda will Paramount den DVD-Absatz direkt ankurbeln, so dass der Buy DVD-Link auf Amazon nicht fehlen darf. Zukünftig sollen angeblich auch Ausschnitte aus bevorstehenden Filmveröffentlichungen in VooZoo eingestellt werden.
Ein Paradigmenwechsel der Filmindustrie? Mitnichten! Für das Hinzufügen eines Clips zur eigenen Sammlung müssen so genannte V-Points bezahlt werden. Diese Punkte muss sich ein Nutzer damit verdienen, dass er die Clips an seine eigenen Freunde sendet – oder der arme Tropf von Filmfan muss die Punkte käuflich erwerben. In den meisten Fällen kostet das Hinzufügen eines ca. 2-minütigen Clips zur eigenen Sammlung die alberne Summe von 50 Cent. Der Viralgedanke wird damit ad absurdum geführt. Angeblich denkt Paramount sogar über die lächerliche Idee nach, seine Clips im iTunes-Store zu verkaufen.
Abgesehen davon, dass manche Funktionen derzeit noch recht buggy sind, ist auch die Integration in Facebook technisch und optisch schlecht gelungen: Die Applikation ist komplett in Flash realisiert und fügt sich nicht in das Facebook-Look & Feel ein. Darüber hinaus sieht der Player offenbar keine Schnittstellen (z.B. zu YouTube) vor und erlaubt keine Einbettung der Clips in Blogs oder Webseiten. Keine Frage – das dürfte den Voohoo-Virus zuverlässig hemmen, wie auch BloggingTom kritisiert.
Ich frage mich außerdem, ob es angesichts der steigenden Ermüdungserscheinungen bei der Nutzung von Facebook-Applikationen strategisch klug ist, bei der Verbreitung von Clips ausschließlich auf ein solches Widget zu bauen. Auf Paramounts YouTube-Channel hingegen, wo das Studio vor (sage und schreibe) einem Jahr begonnen hat, Trailer einzustellen, werden nur sehr unregelmäßige Updates gepostet – der letzte Login des Channel-Betreibers liegt bereits 3 Wochen zurück.
Mein Fazit: Zurück in die Konzeptstube, Paramount – oder lasst uns doch endlich völlig frei Filmausschnitte im Internet verbreiten! Habt ihr schon einmal untersucht, ob euch das wirklich schadet? Oder sagt das nur euer Bauchgefühl? Mit dem derzeitigen Konzept von VooZoo werdet ihr das Rad jedenfalls nicht herum reißen.

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13. March 2008 um 7:31 am
ob das wa wird mit diesen V-Points? Kann irgendwie nicht glauben, dass das wirklich was wird!
Klar macht man durch das rumschicken sofort Werbung für die Page, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass man das macht, um die V points zu sammeln