Noch gibt es keine Bestätigung, ob sich hinter dem heute gestarteten Twitter-Account Mopo tatsächlich Mitarbeiter der Hamburger Morgenpost verbergen. Inzwischen scheint sich zu bestätigen, dass der Twitter-Account der Mopo nicht von Mitarbeitern der Hamburger Morgenpost geführt wird (siehe Sprechblase, ethority blog und  media-ocean). Es wäre nach der Welt Kompakt die zweite Print-Zeitung gewesen, die den Micro-Blogging-Dienst für den Dialog mit ihren Lesern nutzen möchte.

“Vorsicht, Twitter tötet jeden Nerv!” schimpfte Guido Nedden noch am 15. Mai 2007 in der Rubrik Webwelt-Surfer auf Welt Online. Seine Beurteilung des damals begonnenen Hype um den Web-2.0-Dienst aus San Francisco lautete: “Twitter und Co. braucht kein Mensch. Diese Webseiten zeigen zwar, wie sich Kommunikationsmittel wie Internet und Handy miteinander verzahnen lassen. Doch die Nutzer bombardieren sich fast ausschließlich mit sinnlosen Informationen. Und das lenkt von den wirklich wichtigen Dingen des Lebens ab.”

Fast ein Jahr später sieht man das im Hause Axel Springer anders. Am 4. April kündigte die Welt Kompakt sowohl in Print als auch Online an, ihren Lesern ab sofort einen besonderen Einblick in die Welt-Kompakt-Redaktion zu geben. “Interessierte User und Leser haben ab sofort die Möglichkeit, hautnah am PC oder über einen mobilen Internet-Zugang bei der Entstehung dabei zu sein”, lautete es in der Online-Ankündigung. Seitdem spricht die Welt Kompakt auf twitter.com/weltkompakt mit ihren Lesern beziehungsweise mit denjenigen unter ihnen, die es ins Web 2.0 geschafft haben. 177 Kontakte (Follower) zählt die Zeitung auf ihrem Twitter-Konto, wobei der Großteil eher zu den Stammtisch-Webzwonullern als zu den Stammlesern des Blatts zählen dürfte.

Anders als bei Twitter-Accounts mit schlichtem News-Feed (siehe nzz oder weltonline) versuchen Welt Kompakt und Hamburger Morgenpost versucht die Welt Kompakt über Twitter in den Dialog mit ihren Lesern zu treten. Diese Entwicklung zeigt, dass sich klassische Medien ernsthaft Gedanken machen, wie sie abseits eigener, kontrollierter User-Foren einen Zugang zu Rezipienten finden können. Der Einsatz von Social Media und neuen Kommunikationsplattformen, die einen offenen Dialog und eine Transparenz der Kommunikation nicht nur ermöglichen sondern geradezu erzwingen, ist eben nicht nur ein aktuelles Thema in der Unternehmenskommunikation. Er betrifft auch den klassischen Journalismus, wo viele erst jetzt erkennen, dass man im Internet nicht nur die neuen Idiotae, sondern auch die eigenen Leser antrifft.

Sicherlich, ich gebe zu, Twitter ist ein als “The Next Big Thing” völlig übergehypter Webdienst. Es ist kaum davon auszugehen, dass in ein paar Jahren jeder zweite Mopo-Leser auf dem Weg zum Zeitungskiosk erst auf dem Handy “nachtwittert”, ob sich die aktuelle Ausgabe überhaupt lohnt. Aber es ist eines von vielen Kommunikationstools im Netz, die als Social Media eine wichtige Rolle im Dialog von Kommunikatoren mit ihren Lesern spielen werden.

In Twitter haben Welt Kompakt und die Mopo (wenn auch hinter dem Account nicht die Redaktion steckt) auf jeden Fall in schon kräftig Feedback, Kritik, Tipps, Kommentare und Vorschläge bekommen. Und solange man dort weiterhin aktiv auf die Leser zugeht, dürfte das auch in Zukunft anhalten. Eine kleine Kritik hätte ich allerdings zum Schluss: Bei einem so persönlichem Kommunikationskanal wie Twitter hätte ich gerne die Namen der Redakteure und Mitarbeiter gewusst, die am anderen Ende der Leitung schreiben.

74 Kommentare zu “Dank Twitter im Dialog mit den Lesern? (Update)”

  1. Michael Ellensohn sagt:

    Danke für diesen sehr interessanten Beitrag, Achim! Ich frage mich, weshalb Zeitungen nicht schon längst ihre eigene Website viel stärker für den Leserdialog einsetzen. Wieso diskutieren in den meisten Foren und/oder Kommentaren auf Zeitungs-Websites die Redakteure nicht mit? Ich hatte immer den Eindruck, der einzige Dialog zwischen Redakteuren und ihren Lesern spielt sich in den (oft gut versteckten) “privaten” Blogs der Journis ab. Dass jetzt Twitter von der _Redaktion_ als solcher eingesetzt wird, ist echt bemerkenswert.

  2. Malte Landwehr sagt:

    Häufig fehlt den Redakteuren wohl die Zeit. Wirkliche Influencer (z.B. A-Blogger) werden von den Medien ja schon ernst genommen aber dass es sich lohnen kann grassrootmäßig jeden Leser ernst zu nehmen und Zeit in die Kontaktpflege zu investieren ist eben noch nicht überall angekommen.

Kommentar schreiben

Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar zu schreiben.