Die Alpha-Journalisten

22. July 2008

Deutsche Print-Schreiber haben ein Problem entdeckt: Die Blogger. Im Vergleich zu den Weblog-Autoren fehlt es den deutschen Journalisten im Sommerloch nämlich an Themen. Und deshalb schreiben sie über Blogger.

Wenn das hier ein Magazinartikel wäre und kein Blog, dann ginge er natürlich anders los, vielleicht:

Was ist in Blogs nicht alles hineingeheimnisst und -geraunt worden. US-Blogger Glenn Reynolds verkündete in seinem Buch “An Army of Davids” aus dem Jahr 2006: “Die Macht, die einst in den Händen von wenigen Profis konzentriert war, ist umverteilt worden in die Hände der vielen Amateure.” Und der deutsche Philosoph Habermas erblickte im Internet die “Wurzeln einer egalitären Öffentlichkeit von Autoren und Lesern”.
(Zitat Spiegel Nr. 30, 21.07.2008, S.94)

Zum Glück ist das hier aber ein Blog, und deswegen muss ich jetzt nicht gleich den Habermas rauskramen und sage stattdessen: Schreiben ist wie Kochen. Prinzipiell kann das jeder machen, alles was man braucht sind ein paar Töpfe und ein Herd. Und weil das so einfach ist, machen es auch so ziemlich alle. Und wenn ich das, was ich da koche, jemand anderen essen lasse, dann ist das Bloggen. Das machen recht viele, die meisten kochen dabei eher schlecht, wenige richtig gut.

Verlage sind dann quasi Restaurant-Ketten und Journalisten die dort angestellten Köche. Die kochen halt eher für die Massen, und sie werden nur eingestellt, wenn sie richtig gut kochen können. Als Angestellte haben sie ein festes Einkommen, müssen dafür aber das kochen, was dem Restaurantbesitzer passt, und meistens schmeckt alles irgendwann ziemlich gleich.

In den USA gibt es mehr Menschen, und die essen auch mehr als die Menschen in Deutschland. Deshalb gibt es da nicht nur mehr Restaurant-Ketten, sondern auch generell mehr Köche. Die Köche, die nicht in Restaurant-Ketten arbeiten, sind durchschnittlich mindestens genauso schlecht wie die in Deutschland, aber es gibt halt mehr, und deshalb gibt es auch mehr gute. Außerdem gibt es ja mehr Leute, und die essen mehr, und deshalb können in den USA mehr Köche mit Kochen Geld verdienen, selbst wenn sie nicht in einem Restaurant angestellt sind.

Und was der Spiegel pünktlich zum Sommerloch herausgefunden hat, ist, dass in Deutschland die meisten, die nicht als Köche angestellt sind, nicht so gut kochen können. Und dass die Leute weniger essen als in den USA. Super.

(Hier noch die Meinung einiger anderer Köche, ähhh, Blogger: Spiegelfechter, medienlese, f!xmbr, CIO Blog, coffee and tv)

11 Kommentare zu “Die Alpha-Journalisten”

  1. Tobias sagt:

    Klasse Analogie: Bloggen ist wie für andere kochen - vor allem weil es sehr schön klarmacht, wie fließend die Grenze zwischen Blogger und Journalisten sein kann, aber nicht sein muss.
    Bisschen dünn finde ich allerdings den Ansatz, den Unterschied der deutschen zur US-Blogosphäre allein auf die Landesgröße zu beschränken.
    Man kann sich doch die Frage stellen, warum es kein einziger deutscher Blogger bisher in den Mainstream geschafft hat. Damit ist nicht gemeint, dass der Blogger selbst Mainstream schreiben muss, sondern nur dass er dem Mainstream bekannt ist. Das hat nichts mit der Größe zu tun.

  2. Achim Barczok sagt:

    Stimmt schon, da steckt schon mehr dahinter als die fehlende kritische Masse. Ich denke in Deutschland sind nicht die Blogger, sondern die Menschen insgesamt einfach unpolitischer und nur in geringem Maße an politischen Diskussionen und der Meinungen anderer interessiert.

    Oder, um in der Analogie zu bleiben: Was der Leser nicht kennt, frisst er nicht.

  3. Stefan F sagt:

    perfekte lektüre vor dem mittagessen … hab ich jetzt kohldampf ;)

  4. mein-parteibuch.com » “Politische Blogs sind in Deutschland so gut wie nicht vorhanden” sagt:

    [...] Egal, ob da nun über Reichweiten, Zahnpasta, Heuchelei, Professionalität, PR, Alpha-Journalisten, Vergleicherei, Hackebeile, Sommerloch oder heiße Luft geschrieben wird, nette Worte für [...]

  5. Der Spiegel gegen Blogger in Deutschland? | www.tutsi.de sagt:

    [...] Die Alpha-Journalisten auf "Internetszene": "…Verlage sind dann quasi Restaurant-Ketten und Journalisten die dort angestellten Köche. Die kochen halt eher für die Massen, und sie werden nur eingestellt, wenn sie richtig gut kochen können. Als Angestellte haben sie ein festes Einkommen, müssen dafür aber das kochen, was dem Restaurantbesitzer passt, und meistens schmeckt alles irgendwann ziemlich gleich…" (Quelle und Originaltext: Internetszene) [...]

  6. “Politische Blogs sind in Deutschland so gut wie nicht vorhanden” | Radio Utopie sagt:

    [...] Egal, ob da nun über Reichweiten, Zahnpasta, Heuchelei, Professionalität, PR, Alpha-Journalisten, Vergleicherei, Hackebeile, Sommerloch oder heiße Luft geschrieben wird, nette Worte für [...]

  7. Nachrichtenmagazin im Sommerloch: Der Spiegel legt sich mit Bloggern an - Alter Falter! sagt:

    [...] Blog Die Welt ist Scheisse egghat’s blog Gastgewerbe Gedankensplitter Indiskretion Ehrensache internetszene.com Ja gut, aber … mein-parteibuch.com Moderne-Unternehmenskommunikation.de NachDenkSeiten [...]

  8. Qualitätsjournalismus vs. die Beta-Blogger - Hilfe beim Leben sagt:

    [...] Die Alpha-Journalisten auf “Internetszene”: “…Verlage sind dann quasi Restaurant-Ketten und Journalisten die dort angestellten Köche. Die kochen halt eher für die Massen, und sie werden nur eingestellt, wenn sie richtig gut kochen können. Als Angestellte haben sie ein festes Einkommen, müssen dafür aber das kochen, was dem Restaurantbesitzer passt, und meistens schmeckt alles irgendwann ziemlich gleich…” (Quelle und Originaltext: Internetszene) [...]

  9. Spiegel vs. Deutsche Blogger » Deluxe Label sagt:

    [...] Die Alpha-Journalisten auf “Internetszene”: “…Verlage sind dann quasi Restaurant-Ketten und Journalisten die dort angestellten Köche. Die kochen halt eher für die Massen, und sie werden nur eingestellt, wenn sie richtig gut kochen können. Als Angestellte haben sie ein festes Einkommen, müssen dafür aber das kochen, was dem Restaurantbesitzer passt, und meistens schmeckt alles irgendwann ziemlich gleich…” (Quelle und Originaltext: Internetszene) [...]

  10. Liebe Spiegel Redakteure habt ihr Langeweile? - Stars und Sternchen Eiskalte Promi News - Nackt und Unzensiert! Der Neueste Klatsch und Tratsch! sagt:

    [...] Die Alpha-Journalisten bei Internetszene [...]

  11. myBeautyBlog » SPEIEGEL ONLINE polemisiert gegen Blogger und damit gegen die Leser sagt:

    [...] Die Alpha-Journalisten auf “Internetszene”: “…Verlage sind dann quasi Restaurant-Ketten und Journalisten die dort angestellten Köche. Die kochen halt eher für die Massen, und sie werden nur eingestellt, wenn sie richtig gut kochen können. Als Angestellte haben sie ein festes Einkommen, müssen dafür aber das kochen, was dem Restaurantbesitzer passt, und meistens schmeckt alles irgendwann ziemlich gleich…” (Quelle und Originaltext: Internetszene) [...]

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