Vorletztes Wochenende, am 1. und 2. November, fand in Berlin das CommunityCamp statt, das ich etwas mitorganisieren durfte. Endlich schaffe es nun auch ich, mein persönliches Fazit zu ziehen.

CommunityCamp-Logo

Also, was gibt es aus meiner Sicht zum CommunityCamp zu sagen? Erstmal habe ich großartige Menschen kennen gelernt, interessante Gespräche geführt und mich insgesamt im Camp-Gewusel sehr wohl gefühlt. Die cimdata Medienakademie, in der bereits das BarCamp Berlin 2 stattfand, stellte sich (mal wieder) als fantastischer Partner heraus – vielen Dank an alle engagierten Studenten, die uns tatkräftig bei der Organisation vor Ort unterstützt haben! Die Qualität der Sessions war in BarCamp-Tradition heterogen, insgesamt aber meiner Meinung nach nicht schlechter als auf bisherigen Camps – auch wenn das Getweete rund um’s CommunityCamp hin und wieder einen anderen Eindruck vermittelt hat. Besonders beeindruckend fand ich den spannenden Teilnehmer-Mix mit einer sehr hohen Expertendichte sowie die teilweise sehr langen Reisewege, die manche Teilnehmer auf sich genommen haben.

Auch auf die Gefahr hin, dass mein Fazit von nun an negativer ausfällt, als es das Camp mit seinen definitiv vorhandenen Höhepunkten verdient hat (alleine der Auftritt von Kai-Uwes Funk-Band auf der Party war legendär), möchte ich einen Punkt zur Sprache bringen, der mich an diesem Wochenende ziemlich enttäuscht hat, und der mich dazu gebracht haben, ein bisschen über die Organisationform von BarCamps nachzudenken: die geringe Zahl an angebotenen Sessions – 34 Stück bei über 200 Besuchern.

Session-Board by Blogging Dagger

Session-Board vom Samstag, fotografiert von Blogging Dagger

Obwohl die Besucher des CommunityCamps praktisch ausnahmslos über wertvolles Expertenwissen im Community-Management oder in damit verwandten Themen verfügten, war die Bereitschaft zu einem offenen Austausch meiner Meinung nach extrem gering. In diesem Camp schlummerte ein enormes Potenzial, und wie Oliver in der Feedback-Session resümierte, hätte es eines der besten Bar- bzw. Themen-Camps werden können, die es bisher in Deutschland gab. Leider wurde dieses Potenzial nur ansatzweise ausgeschöpft: Das Session-Board präsentierte sich an beiden Tagen mit so vielen Lücken, dass vier statt acht Räume völlig ausreichend gewesen wären. Zahlreiche Aspekte rund um das Management von Communities wurden meiner Meinung nach zu Unrecht außen vorgelassen.

Am Sonntag haben Kai-Uwe und ich nachdrücklich versucht, Sessions einzufordern – allerdings ohne großen Erfolg. Waren wir zu nachgiebig? Waren wir zu wenig charismatisch? Möglicherweise – ich für meinen Teil war tatsächlich relativ müde und ich weiß, dass ich nicht allzu viel Energie versprüht habe. Darauf sollte es aber nicht ankommen: Es ist eigentlich nicht die Aufgabe des Orga-Teams, den Motivations-Clown in der Session-Planung zu machen, sondern dafür zu sorgen, dass eine von sich aus motivierte Teilnehmerschaft möglichst optimale Rahmenbedingungen für einen offenen Wissensaustausch vorfindet. BarCamps leben von Teilnehmern, die mit einer hohen Motivation dabei sind und darauf brennen, ihr Wissen zu teilen. Wer an einem BarCamp teilnimmt, sollte nicht darum gebeten werden müssen, sein Wissen preiszugeben – und erst recht nicht sollten BarCamp-Besucher darauf hoffen, Wissen abgreifen zu können, ohne selbst welches zu geben. Das Konzept von BarCamps basiert nun mal auf einer einfachen Grundregel: Keine Zuschauer, nur Teilnehmer. Wird diese Regel von zu vielen Besuchern missachtet, ist ein BarCamp inhaltlich tot. Übrig bleibt eine reine Networking-Veranstaltung, die langfristig wahrscheinlich kaum mehr jemanden hinter dem Ofen hervorlocken wird.

Brauchen wir eine Lösung für das Motivationsproblem in der BarCamp-Gemeinde? Oder war das CommunityCamp nur eine Ausnahme inmitten einer vor aktiven Teilnehmern sprühenden deutschen Camp-Landschaft? Letztere These hat sich in der Feedback-Session als Konsens ergeben, und teilweise stimme ich ihr zu: Viele alte Hasen, die praktisch auf jedem BarCamp eine Session anbieten, haben auf dem CommunityCamp gefehlt. Ihr Fehlen ist entweder auf das relativ spezifische Thema ‚Communities’ zurückzuführen oder auf einen ‚Overcamping’-Effekt durch den dicht gedrängten Web-Event-Kalender der letzten Wochen. Ich finde aber, auf dieser Erklärung dürfen wir uns nicht ausruhen – schließlich sind gerade BarCamp-Newbies dazu angehalten, eine Session vorzubereiten. Wir dürfen uns nicht auf die alten Hasen verlassen und dann doof aus der Wäsche schauen, wenn sie dem Camp fernbleiben. Mein wichtigstes Fazit aus dem CommunityCamp als Mitorganisator ist deshalb: Wer ein BarCamp organisiert, sollte sich Gedanken darüber machen, wie man dem Problem einer geringen Beteiligung aktiv entgegenwirken kann. Ich poste in Kürze ein paar weitere Gedanken dazu – was denkt ihr zu diesem Thema?

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