Interview mit Nico Zorn von produki
27. May 2009
Produki steht für “Produkt Wiki” und ist eine Community, auf der Konsumenten Tipps und Problemlösungen zu Produkten sammeln und bewerten. Im Interview erzählt Gründer Nico Zorn, wie es zu der Idee kam, welche Stolpersteine das Team seit der Gründung überwindet haben und warum Startups nicht zu viel Zeit in ausufernde Diskussionen (zB Bedrucken von T-Shirts) investieren sollen.
Hi Nico, wenn du dich kurz vorstellst:
Ich bin einer der drei Gründer von produki und Geschäftsführer bei der auf Online Business Development spezialisierten Unternehmensberatung Saphiron GmbH. Ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit Online-Marketing Themen und schreibe auf nicozorn.com über Trends im Marketing.
Kannst du bitte das Konzept von produki erläutern?
Auf produki sammeln und bewerten Konsumenten gemeinschaftlich Informationen, Tipps, Fotos, Videos und Problemlösungen zu Produkten. Jeder Nutzer kann vorhandene Informationen ergänzen und markieren, welche Produkte er besitzt oder mag. Fragen zu Produkten werden automatisch den passenden “Produktexperten” zugeordnet, damit der Ratsuchende schnell eine hilfreiche Antwort erhält.
Auch die Vor- und Nachteile eines Produktes werden gemeinsam gesammelt und von den Teilnehmern bewertet. Konsumenten finden somit auf produki die wichtigsten Produktinformationen auf einem Blick und müssen sich nicht länger durch dutzende Testberichte und Rezensionen klicken. Das Ergebnis sind Produktseiten mit den wichtigsten Informationen (Beispiele für Produktseiten: Palm Pre oder Nintendo Wii)
Wer steckt hinter produki?
Hinter produki stecken die Gründer Roland Schäfer, Christian Clever und ich. Roland verantwortet Produkt und Finanzen, während sich Christian in erster Linie um die Entwicklung und den technischen Betrieb kümmert. Ich bin für das Marketing verantwortlich.
Wie kam es zu der Idee? Wurdet ihr vom kanadischen Startup ProductWiki inspiriert?
Mir hat eine Website gefehlt, auf der ich übergreifend Fragen zu meinen Produkten stellen kann. Außerdem fand ich es nervig, dass Tipps, Fotos, Videos, FAQs und weitere Informationen zu Produkten an vielen Stellen im Web verteilt sind (Herstellerseiten, Fansites, Weblogs, Foren etc.). Gemeinsam mit den beiden Mitgründern Roland Schäfer und Christian Clever ist die Idee im Laufe der Zeit gereift und produki entstanden. Und ja, ProductWiki haben wir uns natürlich auch angeschaut
Wie lange habt ihr für die Umsetzung benötigt? Welche Stolpersteine musstet ihr von der ersten Idee bis zum eigentlichen Launch des Portals aus dem Weg räumen?
Im Mai 2007 haben wir das erste Mal im Team über die Idee gesprochen. Ende 2007 haben wir mit ersten Konzepten und Anfang 2008 mit der technischen Umsetzung angefangen. Am 15. August 2008 fiel der Startschuss für die Closed Beta. Anfang des Monats haben wir produki schließlich offiziell gestartet. Zwar kein Stolperstein, aber sicherlich eine Herausforderung, ist die Tatsache, dass alle Gründer produki bislang nicht Vollzeit betreiben und zum Teil an unterschiedlichen Standorten sitzen. Aber zum Glück gibt es mittlerweile Tools, um diese Probleme zu lösen. Skype, Dropbox und Basecamp kann ich in diesem Zusammenhang ausdrücklich empfehlen!
Ein Wiki lebt vom Mitmachen der Anwender. Welche Anreize schafft ihr, dass Leute ihre Tipps und Erfahrungen auf produki veröffentlichen?
Verschiedene Community-Funktionalitäten, wie Rang-/Bestenlisten oder der Social Graph tragen zur Motivation bei und fördern den Wettbewerb der User untereinander. Wir planen außerdem diverse Incentives, wie beispielsweise Gutscheine oder Gewinnspiel-Aktionen. Besonders aktive User werden zu einem späteren Zeitpunkt die Möglichkeit bekommen, neue Produkte zu testen oder zum Beispiel Events von Herstellern zu besuchen.
Wie verhindert ihr Manipulationen und Spam-Einträge von Unternehmen?
Wir setzen auf ein mehrstufiges System, um Spam und Manipulationen zu erkennen. Zum einen werden durch die Bewertung der Inhalte unglaubwürdige oder unpassende Inhalte abgewertet und verschwinden somit aus dem sichtbaren Bereich. Außerdem können User entsprechende Inhalte melden. Neben verschiedenen technischen Mechanismen zur Erkennung und Abwehr von Bots setzen wir außerdem in einem gewissen Rahmen auf eine redaktionelle Prüfung.
Wer sind eure Konkurrenten? Und wie grenzt ihr euch von der Konkurrenz ab?
Etablierte Produktbewerungsportale und Preisvergleichs-Dienste konzentrieren sich auf den Pre-Sales Bereich. Mit der Kombination aus Produktinformationen und Expertenratgeber möchten wir mit produki Konsumenten nicht nur vor, sondern auch nach dem Kauf von Produkten eine Anlaufstelle bieten.
Worauf basiert das Geschäftsmodell von produki? Sind Investoren an Bord?
Wir werden Umsätze aus Online-Werbung erzielen – bei unserem Thema drängen sich Affiliate-Programme natürlich förmlich auf. Außerdem werden wir Unternehmen die Möglichkeit bieten, mit ihren “Fans” einen Dialog aufzubauen, ihnen also beispielsweise Produkte zum Testen zur Verfügung zu stellen oder sie zu Veranstaltungen einzuladen. produki wird bislang vollständig von den Gründern finanziert.
Wie sieht eure Wachstumsstrategie aus? Welche Ziele habt ihr euch für’s erste Jahr gesetzt?
Wir werden in den nächsten Wochen beispielsweise Facebook Connect integrieren, damit sich User noch einfacher anmelden können. Natürlich wollen wir den Produktbestand deutlich ausbauen und zum Beispiel neben Konsumerelektronik vermehrt auch Küchengeräte oder Elektrowerkzeuge abbilden. Weitere Features und Ideen stehen auf der Roadmap, werden aber noch nicht verraten
Olaf Birkner von Cliplister empfiehlt, beim Gründen nicht mehr als 20 Euro für eine Kaffeemaschine auszugeben und gute Business Angels reinzuholen. Worauf sollte man deiner Ansicht nach beim Gründen achten?
Die Frage, die man sich permanent stellen sollte: “Bringt das, was ich gerade mache, mein Unternehmen wirklich weiter?” Viele Gründer investieren viel zu viel Zeit in ausufernde Diskussionen, dem Bedrucken von T-Shirts o.ä.
Wie siehst du die Internetszene im deutschsprachigen Raum?
Die Internetszene in Deutschland hat sich in den letzten Jahren hervorragend entwickelt. Die Start Up-Hochburg ist natürlich Berlin, persönlich freut es mich aber, dass sich auch die Szene im Köln-Bonner Raum zunehmend entwickelt und vernetzt. Mit Make.tv, Moviac, Popula oder CaptchaAd - um nur einige zu nennen - gibt es hier ja (neben produki
einige spannende Unternehmen.
Neben Produki wirst du wohl auch noch ein paar andere Seiten besuchen. Verrätst du uns, welche?
Das würde eine ziemlich lange Liste werden
Ein paar Beispiele: Neuerdings ist ein prima Blog über neuen Technikkram, Exciting Commerce berichtet über innovative Geschäftsmodelle im eCommerce und MarketingSherpa liefert interessante Case Studies zum Thema Internet Marketing. Über weitere empfehlenswerte Websites und lesenswerte Artikel twitter ich regelmäßig unter www.twitter.com/nicozorn.
Dein Schlusssatz?
…ist ein Zitat von Seth Godin:
The two reasons people say no to your idea:
“It’s been done before”
“It’s never been done before”
Danke für das Interview!
Ich habe zu danken!
Das E-Interview führte Thomas Gabriel von Internetszene.com am 27.05.2009.


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