CommunityCamp Berlin: mein Fazit
13. November 2008
Vorletztes Wochenende, am 1. und 2. November, fand in Berlin das CommunityCamp statt, das ich etwas mitorganisieren durfte. Endlich schaffe es nun auch ich, mein persönliches Fazit zu ziehen.

Also, was gibt es aus meiner Sicht zum CommunityCamp zu sagen? Erstmal habe ich großartige Menschen kennen gelernt, interessante Gespräche geführt und mich insgesamt im Camp-Gewusel sehr wohl gefühlt. Die cimdata Medienakademie, in der bereits das BarCamp Berlin 2 stattfand, stellte sich (mal wieder) als fantastischer Partner heraus – vielen Dank an alle engagierten Studenten, die uns tatkräftig bei der Organisation vor Ort unterstützt haben! Die Qualität der Sessions war in BarCamp-Tradition heterogen, insgesamt aber meiner Meinung nach nicht schlechter als auf bisherigen Camps – auch wenn das Getweete rund um’s CommunityCamp hin und wieder einen anderen Eindruck vermittelt hat. Besonders beeindruckend fand ich den spannenden Teilnehmer-Mix mit einer sehr hohen Expertendichte sowie die teilweise sehr langen Reisewege, die manche Teilnehmer auf sich genommen haben.
Auch auf die Gefahr hin, dass mein Fazit von nun an negativer ausfällt, als es das Camp mit seinen definitiv vorhandenen Höhepunkten verdient hat (alleine der Auftritt von Kai-Uwes Funk-Band auf der Party war legendär), möchte ich einen Punkt zur Sprache bringen, der mich an diesem Wochenende ziemlich enttäuscht hat, und der mich dazu gebracht haben, ein bisschen über die Organisationform von BarCamps nachzudenken: die geringe Zahl an angebotenen Sessions – 34 Stück bei über 200 Besuchern.

Session-Board vom Samstag, fotografiert von Blogging Dagger
Obwohl die Besucher des CommunityCamps praktisch ausnahmslos über wertvolles Expertenwissen im Community-Management oder in damit verwandten Themen verfügten, war die Bereitschaft zu einem offenen Austausch meiner Meinung nach extrem gering. In diesem Camp schlummerte ein enormes Potenzial, und wie Oliver in der Feedback-Session resümierte, hätte es eines der besten Bar- bzw. Themen-Camps werden können, die es bisher in Deutschland gab. Leider wurde dieses Potenzial nur ansatzweise ausgeschöpft: Das Session-Board präsentierte sich an beiden Tagen mit so vielen Lücken, dass vier statt acht Räume völlig ausreichend gewesen wären. Zahlreiche Aspekte rund um das Management von Communities wurden meiner Meinung nach zu Unrecht außen vorgelassen.
Am Sonntag haben Kai-Uwe und ich nachdrücklich versucht, Sessions einzufordern – allerdings ohne großen Erfolg. Waren wir zu nachgiebig? Waren wir zu wenig charismatisch? Möglicherweise – ich für meinen Teil war tatsächlich relativ müde und ich weiß, dass ich nicht allzu viel Energie versprüht habe. Darauf sollte es aber nicht ankommen: Es ist eigentlich nicht die Aufgabe des Orga-Teams, den Motivations-Clown in der Session-Planung zu machen, sondern dafür zu sorgen, dass eine von sich aus motivierte Teilnehmerschaft möglichst optimale Rahmenbedingungen für einen offenen Wissensaustausch vorfindet. BarCamps leben von Teilnehmern, die mit einer hohen Motivation dabei sind und darauf brennen, ihr Wissen zu teilen. Wer an einem BarCamp teilnimmt, sollte nicht darum gebeten werden müssen, sein Wissen preiszugeben – und erst recht nicht sollten BarCamp-Besucher darauf hoffen, Wissen abgreifen zu können, ohne selbst welches zu geben. Das Konzept von BarCamps basiert nun mal auf einer einfachen Grundregel: Keine Zuschauer, nur Teilnehmer. Wird diese Regel von zu vielen Besuchern missachtet, ist ein BarCamp inhaltlich tot. Übrig bleibt eine reine Networking-Veranstaltung, die langfristig wahrscheinlich kaum mehr jemanden hinter dem Ofen hervorlocken wird.
Brauchen wir eine Lösung für das Motivationsproblem in der BarCamp-Gemeinde? Oder war das CommunityCamp nur eine Ausnahme inmitten einer vor aktiven Teilnehmern sprühenden deutschen Camp-Landschaft? Letztere These hat sich in der Feedback-Session als Konsens ergeben, und teilweise stimme ich ihr zu: Viele alte Hasen, die praktisch auf jedem BarCamp eine Session anbieten, haben auf dem CommunityCamp gefehlt. Ihr Fehlen ist entweder auf das relativ spezifische Thema ‚Communities’ zurückzuführen oder auf einen ‚Overcamping’-Effekt durch den dicht gedrängten Web-Event-Kalender der letzten Wochen. Ich finde aber, auf dieser Erklärung dürfen wir uns nicht ausruhen – schließlich sind gerade BarCamp-Newbies dazu angehalten, eine Session vorzubereiten. Wir dürfen uns nicht auf die alten Hasen verlassen und dann doof aus der Wäsche schauen, wenn sie dem Camp fernbleiben. Mein wichtigstes Fazit aus dem CommunityCamp als Mitorganisator ist deshalb: Wer ein BarCamp organisiert, sollte sich Gedanken darüber machen, wie man dem Problem einer geringen Beteiligung aktiv entgegenwirken kann. Ich poste in Kürze ein paar weitere Gedanken dazu – was denkt ihr zu diesem Thema?
CommunityCamp Berlin 08
5. May 2008
Gerade erst hat Kai-Uwe Hellmann die Idee geäußert, dieses Jahr ein CommunityCamp zu organisieren, schon stecken wir mitten in der Planung. Gemeinsam mit ihm, Vivan Pein, Fabio Bacigalupo, Matias Roskos und Frank Feldmann werde ich versuchen, das Drumherum für ein themenbezogenes BarCamp am 1. und 2. November bei cimdata in Berlin auf die Beine zu stellen.
Wie Kai-Uwe schön beschreibt, ist das Ziel des CommunityCamps ein offener Austausch über das auch technologische, vor allem aber soziale Verhältnis zwischen Plattformbetreibern und sozialen Netzwerken im Internet. Im Mittelpunkt des Camps stehen Aspekte wie Besucherbindung, User-Loyalität, Community Affinität, Community Building, Community Metrics & Management, Mitgliederaktivität, Differenzierung nach Zentrum und Peripherie, Binnenhierarchisierung, Identifikationsgrade, Abwanderbereitschaft, Verlustängste, Verteidigungsbereitschaft, Corporate Blogs, Unternehmenskritik, Zensur etc.
Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit dem Team und bin sehr gespannt auf die Sessions und Gespräche, die uns auf dem CommunityCamp erwarten. Die Anmeldung erfolgt getrennt für die beiden Session-Tage auf unserer mixxt-Seite – die Listen sind geöffnet. Willkommen sind alle, die zum Gelingen des Camps beitragen möchten! Allen Interessierten, die bisher keine Erfahrung mit BarCamps sammeln konnten, sei dieser Einführungstext empfohlen.
Gesucht: Mitstreiter fürs CommunityCamp
17. March 2008
Kai-Uwe Hellmann plant für Anfang November ein CommunityCamp und sucht nach Mitstreitern in Berlin, die sich an der Organisation beteiligen möchten.
Gegenstand dieses Themencamps wäre alle Fragen rund um das Verhältnis von Plattformbetreiber und sogenannten Online Communities, präziser: sozialen Netzwerken. Im Mittelpunkt meines Interesses stehen Aspekte wie Besucherbindung, Loyalität, Community-Affinität, Mitgliederaktivität, Zentrum/Peripherie-Verhältnis, Identifikationsgrade, Abwanderbereitschaft, Verlustängste, Community Building, Community-Management, Community Metrics & Messung, Corporate Blogs, Unternehmenskritik, Zensur.
Dr. Hellmann beschäftigt sich als Soziologe mit “Commercial Communities” und ist einer der wenigen deutschen Wissenschaftler, die (ganz im Sinne der Wissenschaft 2.0) intensiv bloggen und an BarCamps teilnehmen. Zum bisher ersten Mal fand ein dezidiertes CommunityCamp vor kurzem in Dallas statt. In Deutschland ist seit einigen Monaten ein Trend hin zu themenspezifischen Camps beobachtbar – und gerade aufgrund der großen Aufmerksamkeit, die Communities in der deutschen Gründer- und Medienszene erfahren, besteht an einem CommunityCamp bestimmt großes Interesse. An Diskussionsbedarf mangelt es jedenfalls nicht.

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