Für meine Masterarbeit lese ich gerade einen der beiden Forschungsbände, die Sabine Pamperrien in der Netzeitung zum Urteil “Deutsche Blogger sind unpolitisch und unreif” geführt haben. Hier ein paar Hinweise und Aufklärungsversuche meinerseits.

Erstmal: Jan Schmidt, einer der Herausgeber der Bände, hat auf Schmidt mit Dete bereits darauf hingewiesen: Der Netzeitung-Artikel bezieht sich auf zwei Studien, die UNTER ANDEREM in “Kommunikation, Partizipation und Wirkungen im Social Web (Band 2). Strategien und Anwendungen: Perspektiven für Wirtschaft, Politik und Publizistik” veröffentlicht sind. Bei den Bänden handelt es sich weitgehend um eine Bestandsaufnahme deutschsprachiger Forschung zum Social Web, wie Jan Schmidt schreibt, es geht darin nicht ausschließlich um die deutschsprachige Blogosphäre, wie andere schrieben.

In dem Zusammenhang stimme ich Marc von der Wissenswerkstatt zu, die Rezension sei einseitig. Sie behandelt nur den Ausschnitt, der anscheinend aus Sicht von Frau Pamperrien für den aktuellen Mediendiskurs relevant ist, geht aber kaum auf den eigentlichen Hintergrund der beiden Sammelbände ein.

Medienwatchblogs

Einige der Schlussfolgerungen, die Frau Pamperrien in Bezug auf die Studie zu Medienwatchblogs zieht, konnte ich im Originaltext so nicht wiederfinden.
Hier eine Gegenüberstellung von Rezension und Originaltext:

“Journalisten interessieren sich demnach kaum dafür, weshalb die erwünschte Besserung journalistischer Qualität ihre Zielgruppe verfehlt.

Selbst ein Aushängeschild wie das Bildblog bleibt fast wirkungslos. Die Autorin der Studie folgert, dass die professionelle Akzeptanz der Medienwatchblogs abhängig von richtigen Aufdeckungserfolgen sei. Dazu aber gehöre investigative Recherche. Und die werde aktuell von Bloggern nicht betrieben” (Rezension Netzeitung)

Zitat aus der Studie:

Als Ergebnis der zweiten angewandten Methode, des Leitfadengesprächs, konnte eruiert werden, dass Bildblog als recht wirksame Kontrollinstanz zu bewerten ist. Der zum Bildblog Befragte weiß um seinen externen Kritiker, der bereits zahlreiche Korrekturen erwirkt hat. Für die übrigen Untersuchungssgegenstände hingegen ist zu sagen, dass die Befragten das jeweilige Blog zwar kennen, teilweise auch regelmäßig konsultieren, die darin vorgebrachten Kritikpunkte aber nie als so gravierend eingestuft wurden, dass sie einer Korrektur bedurft hätten.

[...]

Mehr als die Hälfte der Einträge [Anm.: im Blog Zeit/Meckern] bewirkten eine Verbesserung, und der befragte Zeit.de-Chefredakteur zeigte sich hochzufrieden mit der Arbeit der Blogger.

[...]

Um sich bei Journalisten wie bei Nicht-Medienschaffenden mehr Gehör zu verschaffen, braucht die Medienwatchblogosphäre wahrscheinlich einmal einen richtig großen Aufdeckungserfolg. (Schönherr, S.132f.)

Einen Hinweis darauf, dass eine investigative Recherche von Bloggern nicht betrieben wird, wie Sabine Pamperrien anmerkt, konnte ich im Resümee von Katja Schönherr nicht finden. Die Autorin weist lediglich darauf hin:

“Von Scoops deutschsprachiger Medienwatchblogs kann aber weder während des Untersuchungszeitraums noch insgesamt seit Bestehen der Blogs gesprochen werden” (Schönherr, S.131)

Reifegrad der deutschsprachigen Blogosphäre

Die Studie zu Reifegrad, Politisierung, Themen und Bezug zu Nachrichtenmedien ist, soweit ich das sehen kann, im Großen und Ganzen korrekt zitiert. Allerdings: Im Orginaltext wird Reifegrad als “Ausmaß der Professionalisierung des Bloggens vs. Freizeittätigkeit” (Berendt et al., S.73) definiert. Den von Pamperrien in der Überschrift gewählte Begriff “unreif” halte ich im fehlenden Kontext für irreführend, denn er lässt anders als in der Studie eine Unerfahrenheit oder Unmündigkeit der deutschsprachigen Blogosphäre vermuten.
Hier noch eine Gegenüberstellung von Ausschnitten aus Rezension und Studie:

Rezension:

Beantwortet werden können diese Fragen vermutlich erst, wenn beide Blogosphären die gleiche Reife erlangt haben. Dazu müssen Blogs zunächst einmal gesellschaftliche Relevanz erlangen.

Studie:

Ist die Politiklastigkeit der populären US-amerikanischen Blogs auf den höheren Reifegrad der Blogosphäre zurückzuführen, oder sind die Ursachen allgemein in unterschiedlichen Stellenwerten der Politik in den Gesellschaften zu suchen? Beide Fragen werden sich erst beantworten lassen, wenn deutschsprachige Blogs an gesellschaftlicher Bedeutung gewonnen haben und unterschiedliche Reifegrade damit als mögliche Ursache der markanten Unterschiede zwischen den Blogosphären ausgeschlossen werden können. (Berendt et al., S.95)

Die Fragen können also nicht, wie Pamperrien schrieb, beantwortet werden, sobald beide Blogosphären die selbe Reife erlangt haben. Vielmehr kann der Reifegrad als Ursache dann ausgeschlossen werden, wenn die deutschsprachigen Blogs an gesellschaftlicher Bedeutung gewonnen haben. Ein nicht unwesentlicher Unterschied.

Zum Schluss möchte ich noch zum einen auf den Kommentar von Markus Beckedahl hinweisen, der Gründe für die unterschiedliche Politisierung von US-amerikanischer und deutscher Blogosphäre nennt.

Zum anderen möchte ich anmerken, dass ich die beiden Tagungsbände, soweit ich das bisher beurteilen kann, für einen außerordentlichen Beitrag für die Forschung im Bereich Social Web in Deutschland halte. Ein absolutes Muss für jeden, der sich wissenschaftlich mit Social Web auseinandersetzen möchte.

Noch gibt es keine Bestätigung, ob sich hinter dem heute gestarteten Twitter-Account Mopo tatsächlich Mitarbeiter der Hamburger Morgenpost verbergen. Inzwischen scheint sich zu bestätigen, dass der Twitter-Account der Mopo nicht von Mitarbeitern der Hamburger Morgenpost geführt wird (siehe Sprechblase, ethority blog und  media-ocean). Es wäre nach der Welt Kompakt die zweite Print-Zeitung gewesen, die den Micro-Blogging-Dienst für den Dialog mit ihren Lesern nutzen möchte.

“Vorsicht, Twitter tötet jeden Nerv!” schimpfte Guido Nedden noch am 15. Mai 2007 in der Rubrik Webwelt-Surfer auf Welt Online. Seine Beurteilung des damals begonnenen Hype um den Web-2.0-Dienst aus San Francisco lautete: “Twitter und Co. braucht kein Mensch. Diese Webseiten zeigen zwar, wie sich Kommunikationsmittel wie Internet und Handy miteinander verzahnen lassen. Doch die Nutzer bombardieren sich fast ausschließlich mit sinnlosen Informationen. Und das lenkt von den wirklich wichtigen Dingen des Lebens ab.”

Fast ein Jahr später sieht man das im Hause Axel Springer anders. Am 4. April kündigte die Welt Kompakt sowohl in Print als auch Online an, ihren Lesern ab sofort einen besonderen Einblick in die Welt-Kompakt-Redaktion zu geben. “Interessierte User und Leser haben ab sofort die Möglichkeit, hautnah am PC oder über einen mobilen Internet-Zugang bei der Entstehung dabei zu sein”, lautete es in der Online-Ankündigung. Seitdem spricht die Welt Kompakt auf twitter.com/weltkompakt mit ihren Lesern beziehungsweise mit denjenigen unter ihnen, die es ins Web 2.0 geschafft haben. 177 Kontakte (Follower) zählt die Zeitung auf ihrem Twitter-Konto, wobei der Großteil eher zu den Stammtisch-Webzwonullern als zu den Stammlesern des Blatts zählen dürfte.

Anders als bei Twitter-Accounts mit schlichtem News-Feed (siehe nzz oder weltonline) versuchen Welt Kompakt und Hamburger Morgenpost versucht die Welt Kompakt über Twitter in den Dialog mit ihren Lesern zu treten. Diese Entwicklung zeigt, dass sich klassische Medien ernsthaft Gedanken machen, wie sie abseits eigener, kontrollierter User-Foren einen Zugang zu Rezipienten finden können. Der Einsatz von Social Media und neuen Kommunikationsplattformen, die einen offenen Dialog und eine Transparenz der Kommunikation nicht nur ermöglichen sondern geradezu erzwingen, ist eben nicht nur ein aktuelles Thema in der Unternehmenskommunikation. Er betrifft auch den klassischen Journalismus, wo viele erst jetzt erkennen, dass man im Internet nicht nur die neuen Idiotae, sondern auch die eigenen Leser antrifft.

Sicherlich, ich gebe zu, Twitter ist ein als “The Next Big Thing” völlig übergehypter Webdienst. Es ist kaum davon auszugehen, dass in ein paar Jahren jeder zweite Mopo-Leser auf dem Weg zum Zeitungskiosk erst auf dem Handy “nachtwittert”, ob sich die aktuelle Ausgabe überhaupt lohnt. Aber es ist eines von vielen Kommunikationstools im Netz, die als Social Media eine wichtige Rolle im Dialog von Kommunikatoren mit ihren Lesern spielen werden.

In Twitter haben Welt Kompakt und die Mopo (wenn auch hinter dem Account nicht die Redaktion steckt) auf jeden Fall in schon kräftig Feedback, Kritik, Tipps, Kommentare und Vorschläge bekommen. Und solange man dort weiterhin aktiv auf die Leser zugeht, dürfte das auch in Zukunft anhalten. Eine kleine Kritik hätte ich allerdings zum Schluss: Bei einem so persönlichem Kommunikationskanal wie Twitter hätte ich gerne die Namen der Redakteure und Mitarbeiter gewusst, die am anderen Ende der Leitung schreiben.

Auf der re:publica 08 stand einem riesigen Informationsangebot  eine Heerschar von Bloggern gegenüber, die die die Dichte der Inhalte noch weiter erhöhten  - indem sie alles bloggten, twitterten und filmten, was ihnen vor das Handy oder den Laptop lief. Die Konferenz demonstrierte damit am eigenen Beispiel das Problem einer wachsenden Informationsflut im Netz. Zwei Ansätze zur Lösung lauten: Die Rezipienten müssen das Filtern und das Internet das Vergessen lernen.

“Was ist dein Fazit für die re:publica 08?” Ich war am Ende der re:publica froh, zu dieser Frage nur einmal interviewt worden zu sein. Wer sich etwas länger in der Lobby der Kalkscheune aufhielt, lief Gefahr, für sämtliche Weblogs, Podcasts und Video-Blogs des deutschsprachigen Internets sowie für eine Handvoll traditioneller Medien vor Kamera, Mikro oder Notizblock gezerrt und ausgefragt zu werden.

Eine reflektierte Antwort auf die Frage nach dem Fazit war nicht leicht. Denn mit den  zahlreichen Panels und Workshops, die auf der re:publica angeboten wurden, der totalen Berichterstattung (Felix Schwenzel sprach auf wirres.net von “Informationsdünnschiss“) und den vielen, auf der Blogger-Konferenz tatsächlich noch stattfindenden, offline-face-to-face-Gesprächen galt es erst mal den Berg an Informationen abzuarbeiten.

Diese Situation, die bei einer Konferenz für sich gerne mal selbst reflektierende Bewohner des Internets vermutlich in der Natur der Sache liegt, entspricht so ziemlich der generellen Entwicklung in der Internet-Kommunikation: Wenn jeder überall Text, Bild, Audio und Video live oder zeitversetzt ins Netz übertragen kann, werden wir von einer Informationsflut überschwemmt.

Gerrit van Aaken spricht in dem Zusammenhang in seinem Blog vom “Informations- und Kommunikationsterror” und hat seine Konten auf diversen Web-2.0-Diensten gelöscht. Ich glaube nicht, dass man dem Informationschaos gleich mit Abschalten begegnen muss. Allerdings teile ich voll und ganz seine Meinung, dass viele Informationen wie beispielsweise Twitter-Nachrichten im Netz eine Halbwertszeit haben sollten (dazu später mehr).

Auf den Filter kommt es an

Die Lösung für das Problem der Informationsflut ist der richtige Filter: Wenn wir uns durch die reale Welt bewegen, werden wir ständig mit der totalen Reizüberflutung belastet. Dennoch schafft es unser kognitives System, die Dinge zu fokussieren, die für uns in genau diesem einen Moment von Belang sind. Im virtuellen Raum reicht dafür das kognitive System nicht aus, wir brauchen technische Hilfsmittel. Ein Beispiel: Um im Strom von hunderten Weblog-Artikeln die Übersicht zu behalten, können uns News-Aggregatoren wie Techmeme oder Rivva dabei helfen, die Informationen in Kontexten zusammenfassen. Hätten wir dazu noch die Möglichkeit eines persönlichen Filters, der Inhalte nach unseren Interessen und Relevanz gewichtet, kommen wir einem optimalen Informationsfilter schon sehr nahe. Ähnliche Tools fehlen bei vielen der neuen Web-2.0-Diensten wie Twitter. Hashtag-Suchmaschinen wie twemes.com oder hashtags.org sind ein erster Schritt in diese Richtung.

In dem Moment, in dem ich die Informationen der Massenmedien mit denen von Online-Magazinen, Blogs, Podcasts, Webseiten, Microblogs und denen aus meinen Social Networks und privaten Netzwerken in einen Topf werfen kann und am Ende einen für mich effizienten Stream an Inhalten erhalte, hat das System Erfolg. Aus der Flut der Informationen kann ich meinen Teil je nach Bedarf abschöpfen.

Das Netz vergisst nichts

Beim Filtern der Informationsflut bin ich optimistisch: Wir werden dafür in Zukunft Lösungen finden. Das andere Problem, das Gerrit angesprochen hat, wiegt deutlich schwerer: Informationen bleiben im Netz für immer gespeichert. Harvard-Professor Viktor Mayer-Schönberger hat es in seiner Keynote “Nützliches Vergessen” auf der re:publica sehr treffend dargelegt. War bisher Vergessen leicht und Erinnern schwierig, hat sich das mit dem Internet als allumfassender Speicher unseres kollektiven Gedächtnisses umgedreht. Der Faktor Zeit in Hinblick auf Kommunikation und Information verliert seine Bedeutung, Informationen werden für immer und ewig gespeichert. Dabei ist das Vergessen wichtiger Bestandteil unseres kognitiven Systems und unserer Gesellschaft. Ohne Vergessen bleiben Informationen für immer erhalten, auch wenn ihr Kontext längst verloren ist.

Um diesem zu entgehen, schlägt Mayer-Schönberger vor, dem Netz das Vergessen beizubringen und Informationen ein Verfallsdatum zu geben. Das stellt, meine ich, eine ziemlich unmögliche Aufgabe dar. Denn dazu müssten über Länder- und Kulturgrenzen hinweg alle am Netz beteiligten Parteien fernab möglicher kommerziellen Interessen mithelfen.

Dennoch ist es richtig: Wenn das Internet nicht lernt zu vergessen, dann kann jedes auf einer Party gemachte Foto, jede Jugendsünde oder Peinlichkeit zur ewigen Bürde werden. Und spätestens wenn Suchmaschinen Audio-Inhalte indexieren und die Personensuche anhand von Gesichtserkennung in Bild und Video möglich sein wird, wird das alle von uns in einem nie gekannten Ausmaß betreffen. Wie es funktionieren kann, weiß ich nicht, aber Professor Mayer-Schönberger hat recht: Das Netz muss das Vergessen lernen.

Und das Fazit?

“Was ist dein Fazit für die re:publica 08?” Die Frage stellte mir am Freitag Abend nach drei langen Konferenztagen der jovelstefan für seinen Podcast. Ich hätte ihm sagen können, dass mir die meisten Workshops und viele der Panels neue Impulse gegeben haben, dass die Podiumsdiskussionen teilweise interessant waren,  aber einige auch etwas zäh und am Thema vorbei. Auch 2008, so hätte ich sinnieren können, sind Blogger manchmal etwas selbstreferentiell, aber ein interessantes Gespräch kann man mit jedem und jeder von ihnen führen. Ich hätte ihm sagen können, dass für mich bicyclemark ein perfekte Beispiel für das ist, was ich am Bloggen und dem Internet so spannend finde, und dass Berlin wie immer war: Berlin halt. Ich hätte ihm sagen können dass ich keine Wiener im Brötchen mehr sehen kann und noch nie so viel Club Mate getrunken habe.

Als mich jovelstefan fragte, hatte ich all diese Informationen in meinem Kopf noch nicht ausreichend filtern und das Drumherum-Rauschen noch nicht vergessen können. Stattdessen lautete deshalb mein Fazit, als er mir am Abend das Mikro vor die Nase hielt: “äähhmahmgmähmhmahmmm…”

An euren Feedbacks auf meinen (mittlerweile schon etwas älteren) ersten Beitrag zum Thema Blog-Monitoring sehe ich, dass die meisten von euch an klaren praktischen Lösungen interessiert sind. Deshalb schiebe ich als Antwort auf den Kommentar von Thomas diesen Beitrag zu konkreten Tools und Verfahren ein, bevor ich dann hoffentlich in naher Zukunft auf die Hintergründe zur Inhaltsanalyse eingehe.

Hallo Thomas,

Da meine Antwort als Kommentar etwas lang ausfallen würde, antworte ich dir mit einem eigenen Eintrag. Die Lösungen, die ich hier anspreche, sind zwar nicht zu 100% wissenschaftlich einsetzbar, aber für die Unternehmenspraxis in der Regel ausreichend. Wenn ich dich richtig verstanden habe, möchtest du eine klar umrissene Grundgesamtheit von Corporate Blogs, vielleicht auch Foren und andere Micro-Publishing-Formate auf der Unternehmens-Website nach unerwünschten Kommentaren und produktspezifischen Fragen monitoren, um darauf zeitnah zu reagieren. Das wäre relativ einfach, wenn du dich auf klar definierte Schlagworte beschränken kannst und alle diese zu beobachtenden Formate einen Feed aussenden. Dann benötigst du einfach einen Feed-Reader mit Filter-Funktion, der die Feeds aus den für dich interessanten Quellen aufgreift. Hier findest du beispielsweise beschrieben, wie das mit Bloglines funktioniert. Da du dich auf einige wenige Feeds beschränken möchtest, abonnierst du diese zuerst, dann wählst du in der Advanced Search unter dem Punkt “Limits” die Option “Search only My Feeds” aus. Nun fügst du so viele Suchphrasen hinzu, wie du möchtest (bzw. wie Bloglines zulässt, falls es da eine Grenze gibt) und abonnierst auf der Ergebnis-Seite diesen Filter als eigenen RSS-Feed. Voilà, schon musst du nicht mehr jeden Tag alle Feeds lesen, sondern nur mehr die für dich relevanten.

Problematisch wird es einerseits, wenn du über feste Suchphrasen hinausgehen möchtest – das klingt für mich bei deiner Frage durch. Dann brauchst du einen Filter, der mit Techniken der künstlichen Intelligenz arbeitet – oder du brauchst menschliche Intelligenz in Form von Mitarbeitern, die die ganzen Feeds ständig lesen. Künstliche Intelligenz macht dann Sinn, wenn die Feeds so zahlreich sind, dass das “händische” Lesen zu teuer wäre und wenn es kein Weltuntergang ist, sollte das KI-Tool mal etwas Wichtiges übersehen (wobei das theoretisch auch einem Mitarbeiter passieren kann). Ein großer Vorteil von KI ist neben den möglicherweise geringeren Kosten, dass diese Tools 24/7 ohne Pause durcharbeiten. Für solche automatisierte Filter musst du derzeit meines Wissens (auf jeden Fall im deutschsprachigen Raum) in die Geldtasche greifen und dich an professionelle Dienstleister wenden – dafür hat sich David von Ethority angeboten. Ein weiterer Anbieter, der mir spontan einfällt, ist bc.lab und seit Ende letzten Jahres ist angeblich auch Nielsen mit BuzzMetrics im deutschsprachigen Markt aktiv. Zu Qualität, genauen Leistungen und Kosten der unterschiedlichen Anbieter kann ich dir leider nichts sagen.

Ein weiteres Problem kommt auf dich zu, wenn du Nutzer-generierte Inhalte monitoren möchtest, die nicht per Feed ausgesandt werden (beispielsweise Foren ohne Feed-Funktion). Dann musst du klassische Volltextsuchmaschinen nutzen, die einen Crawler aussenden und dadurch natürlich immer etwas Latenzzeit aufweisen. Die Suche nach bestimmten Schlagworten kannst du beispielsweise bei Yahoo! Pipes oder Google Alerts einrichten. Auch die Volltextsuchen beherrschen derzeit noch keine verlässlichen semantischen Suchen (obwohl du mal spaßhalber mit der Tilde bei Google rumspielen kannst - im Beispiel siehst du, dass Google dann auch nach dem Wort “Jaguar” sucht, wenn du “~Daimler” eingibst). Auch hier gilt also für intelligente Filter, dass du dir entweder die Technologie kaufen musst oder Mitarbeiter dafür brauchst.

Ich hoffe, ich konnte dir helfen - schönen Gruß nach München,
Michael

Nachtrag

Zum Do-it-yourself-Monitoring schau dir unbedingt auch diesen Beitrag von Thomas Pleil an unbedingt ins PR-Wiki. So, und jetzt ist bei mir echt mal Sendepause für ein paar Tage angesagt… ;-)

Microblog-Monitoring

4. February 2008

Wer im Netz nach dem “Newest and Hottest” sucht, dem genügte bisher ein RSS-Abo der wichtigsten Blogs und Webseiten. Heute lohnt ein zusätzlicher Blick in den Content von Microblogging-Diensten wie Twitter oder Pownce. Inzwischen gibt es für diese Dienste Suchmaschinen und Aggregatoren.

microblog

Als ich vor Kurzem nach interessanter Software in den Weiten des Webs suchte, kam mir die Idee, einmal in den Tweets der weltweiten Twittergemeinde nach entsprechenden Keywords zu suchen. Die Ergebnisse waren durchwachsen, enthielten aber einige aktuell veröffentlichte Anwendungen, die ich über andere Quellen nicht gefunden hätte. Scheint, als könnten Microblog-Dienste in Zukunft als wichtiges Recherchetool für Trends und Entwicklungen und als Werkzeug für Unternehmen zum Web-Monitoring dienen.

Während ich gespannt auf den zweiten Teil von Michaels Reihe “Blog Monitoring” warte, möchte ich einen Überblick über interessante Tools für die Suche in und das Monitoring von Microblogs geben, die in den vergangenen Wochen in meiner Bookmark–Liste gelandet sind. Das Ganze ist eine offene Liste, wer noch weitere Tools kennt, immer her damit!

Twitter (twitter.com)

(hinzugefügt am 30.03.08)

Pownce (www.pownce.com)

Jaiku (www.jaiku.com)