Die Musik-Community Songtexte.com feiert einen umfassenden Relaunch. Die Plattform strahlt in neuem Glanz und bietet viele neue Features zum Entdecken von Musik.

songtexte.com_screen

Songtexte.com hat die Suche nach Lyrics komplett überarbeitet, sodass nun über 220.000 Songtexte aller Genres gefunden werden. Das Musik Mash-Up greift auf den Fundus von lyricwiki zurück. Dabei wurde bei der Entwicklung besonders Wert auf die Einfachheit der Bedienung und die Datenqualität gelegt. Durch die Zusammenarbeit mit Audioscrobbler und musicbrainz steht den Besuchern eine umfangreiche Auswahl an Artists und Songs zur Verfügung.

Als weiteres neues Feature präsentiert Songtexte.com zu jedem Songtext das passende Musik-Video von Youtube. Zudem verfügt jeder Artist über eine eigene Seite mit Beschreibung und Auflistung aller Alben, Fans und vielem mehr. Damit will Songtexte.com eine enge Verknüpfung zwischen Musik und Community herstellen. Passend dazu kann jeder Nutzer ein Profil einrichten, über das mit anderen Musikbegeisterten kommuniziert werden kann. Besonderes Augenmerk liegt darauf auf dem Musikprofil, das den Musikgeschmack des Profilinhabers zeigt. Weitere Kennenlerntreffs sind die Gruppen, die das Forum der alten Seite ersetzt haben.

Songtexte.com ist im Jahr 2001 als Freizeitprojekt von drei Schülern gestartet worden. Von Beginn an wurde auf die Komponenten des Web2.0, wie Profile oder Foren, gesetzt, die der Plattform zu raschem Wachstum verhalfen. Seit 2008 ist die Netdo Establishment mit Sitz in Vaduz neuer Betreiber von Songtexte.com. Finanziert wird der kostenlose Service über Werbung und Provisionen von Verkaufspartnern wie Amazon und iTunes.

Anmerkung: Songtexte.com wird in Deutschland, Österreich und der Schweiz von der Media-Agentur Molindo GmbH betreut, an der ich beteiligt bin.

Noch im Jahr 2000 war my.mp3.com spektakulär nach einer Klage der amerikanischen Musikindustrie gescheitert, als das Unternehmen eine Plattform für das Web-Streaming der eigenen Musiksammlung angeboten hatte. Mittlerweile hat sich offenbar die Einsicht durchgesetzt, dass die Nutzung eines solchen Dienstes durch das Recht auf Privatkopie gesichert ist, und es etablierten sich zahlreiche Hosting-Dienste (z. B. mp3tunes und anywhere.fm). Einen Schritt weiter geht tunesBag: Das Startup (derzeit noch in der Closed-Beta-Phase) ermöglicht darüber hinaus das Teilen der eigenen mp3-Sammlung mit bis zu 10 Freunden.

tunesBag-Screenshot

Wie zweinull.cc feststellt, tritt tunesBag in den Wettbewerb mit Simfy und MusicMakesFriends, die beide ein ähnliches Konzept verfolgen. Ohne einen Vergleich zu diesen beiden Plattformen ziehen zu können, fällt mein Urteil über tunesBag sehr positiv aus: Das Browsen durch die eigene Musiksammlung und durch die Playlists der Freunde ist an Apples iTunes angelehnt, was (zumindest iTunes-Kennern) eine intuitive Navigation ermöglicht. Da tunesBag sich konsequent an Web-Standards hält, läuft der Dienst sogar bemerkenswert stabil auf meinem uralten iBook unter Firefox 1. Besonders gelungen finde ich die Integration mit weiteren Web 2.0-Anwendungen, wie Facebook, last.fm, Twitter, MyStrands und Blogger. Ein Wermutstropfen aus meiner Sicht ist allerdings die fehlende Möglichkeit, eigene mp3s wieder runterladen zu können. In Zukunft soll auch der Download der eigenen mp3s möglich sein – damit kann tunesBag auch als Backup-Service punkten.

Thomas hat für unseren österreichischen Schwesterblog ein Interview mit dem tunesBag-Gründer Hansjörg Posch geführt. Ein empfehlenswertes Review von tunesBag findet sich im angesprochenen Beitrag auf zweinull.cc. Auch bei uns gibt’s noch einige Beta-Invites zur Vergabe – hinterlasst einfach einen Kommentar mit eurer E-Mail-Adresse.

Vor zwei Tagen hat das Filmstudio Paramount seine Facebook-Applikation VooZoo gestartet. Damit können Facebook-Nutzer Ausschnitte aus Paramount-Filmen auf ihre Profilseiten posten und an Freunde senden. Paramount will „auf die zunehmend hohe User-Nachfrage nach einem kurzen, wie beispielsweise auf YouTube gängigen Videoformat“ reagieren (via). Ich habe mir kurz Zeit genommen, die Applikation zu testen.

VooZoo-Screenshot

Die Filmindustrie muss schon seit langem dabei zusehen, wie Filmausschnitte oder ganze Filme auf Video-Sharing-Plattformen verbreitet werden. Paramount will die Dynamik des Web 2.0 mit VooZoo nun für sein virales Marketing nutzen: „Durch das Zerstückeln unserer Filme wollen wir die Verbreitung unserer Produkte so weit wie möglich vorantreiben“, lässt sich Paramount-Mitarbeiter Derek Broes in einer Pressemitteilung zitieren.

Mit der Applikation können Facebook-Nutzer nach bereitgestellten Clips (so genannten Voohoos) suchen, sie an Freunde weitersenden und innerhalb der Applikation sammeln. Clips lassen sich natürlich auch auf die eigene Profilseite posten. Zusätzlich zur erhofften Mundpropaganda will Paramount den DVD-Absatz direkt ankurbeln, so dass der Buy DVD-Link auf Amazon nicht fehlen darf. Zukünftig sollen angeblich auch Ausschnitte aus bevorstehenden Filmveröffentlichungen in VooZoo eingestellt werden.

Ein Paradigmenwechsel der Filmindustrie? Mitnichten! Für das Hinzufügen eines Clips zur eigenen Sammlung müssen so genannte V-Points bezahlt werden. Diese Punkte muss sich ein Nutzer damit verdienen, dass er die Clips an seine eigenen Freunde sendet – oder der arme Tropf von Filmfan muss die Punkte käuflich erwerben. In den meisten Fällen kostet das Hinzufügen eines ca. 2-minütigen Clips zur eigenen Sammlung die alberne Summe von 50 Cent. Der Viralgedanke wird damit ad absurdum geführt. Angeblich denkt Paramount sogar über die lächerliche Idee nach, seine Clips im iTunes-Store zu verkaufen.

Abgesehen davon, dass manche Funktionen derzeit noch recht buggy sind, ist auch die Integration in Facebook technisch und optisch schlecht gelungen: Die Applikation ist komplett in Flash realisiert und fügt sich nicht in das Facebook-Look & Feel ein. Darüber hinaus sieht der Player offenbar keine Schnittstellen (z.B. zu YouTube) vor und erlaubt keine Einbettung der Clips in Blogs oder Webseiten. Keine Frage – das dürfte den Voohoo-Virus zuverlässig hemmen, wie auch BloggingTom kritisiert.

Ich frage mich außerdem, ob es angesichts der steigenden Ermüdungserscheinungen bei der Nutzung von Facebook-Applikationen strategisch klug ist, bei der Verbreitung von Clips ausschließlich auf ein solches Widget zu bauen. Auf Paramounts YouTube-Channel hingegen, wo das Studio vor (sage und schreibe) einem Jahr begonnen hat, Trailer einzustellen, werden nur sehr unregelmäßige Updates gepostet – der letzte Login des Channel-Betreibers liegt bereits 3 Wochen zurück.

Mein Fazit: Zurück in die Konzeptstube, Paramount – oder lasst uns doch endlich völlig frei Filmausschnitte im Internet verbreiten! Habt ihr schon einmal untersucht, ob euch das wirklich schadet? Oder sagt das nur euer Bauchgefühl? Mit dem derzeitigen Konzept von VooZoo werdet ihr das Rad jedenfalls nicht herum reißen.

Die Seele des StudiVZ

28. February 2008

Das PR-Desaster von StudiVZ durch dieses SpOn-Interview ist nicht nur ein schönes Lehrstück für die PR-Ausbildung, sondern offenbart darüber hinaus einen erschreckenden Einblick in die Seele des Facebook-Klons. Zum Hintergrund kurz der Ablauf der bisherigen Geschichte, so wie ich ihn vermute:

StudiVZ-Boss Marcus Riecke hat wenig Ahnung von Interviewtechnik und lässt sich von einem promovierten Psychologen in einem Interview mit netter Gesprächsatmosphäre zu dieser Äußerung hinreißen:

SPIEGEL ONLINE: Konkret: Zu Ihnen kommt ein Staatsanwalt mit 30 Fotos aus StudiVZ-Profilen, die Leute anscheinend beim Kiffen zeigen. Er verlangt Klarnamen zu den Profilen und allen Kommentaren. Was machen Sie?

Riecke: Gott sei Dank dürfen wir bei Ermittlungsersuchen solche Daten nun herausgeben.

SpOn freut sich ob der zugriffssteigernden Aussage und bastelt daraus eine gewohnt boulevardeske Schlagzeile:

StudiVZ-Boss Riecke: “Gott sei Dank dürfen wir Kiffer-Fotos jetzt den Behörden geben”

StudiVZ ist schockiert und versucht alles in die Wege zu leiten, das Interview von der SpOn-Website zu nehmen. Leider beharren die Redakteure darauf, dass die Aussagen von Riecke nun mal so gefallen sind - sie erklären sich lediglich dazu bereit, die zugespitzte Schlagzeile zu ändern.

StudiVZ sendet eine Pressemitteilung aus, die Schlagzeile habe nicht den Tatsachen entsprochen. Unabhängig davon steht die von Riecke ausgesprochene kritische Interview-Passage natürlich nach wie vor im Interview-Artikel.

StudiVZ wendet sich auf seiner Plattform direkt an seine Mitglieder und versucht sie mit einer schwammig formulierten Botschaft im Kumpel-Ton zu beschwichtigen. StudiVZ hofft außerdem, dass seine Mitglieder das Interview nicht lesen und gibt keine Quelle an.

Liebe Community,

einige von Euch haben es sicher mitgekommen und waren - wie auch wir - geschockt. In der Online-Ausgabe eines Nachrichtenmagazins mit professionellem Image wurde unser Geschäftsführer Marcus Riecke falsch zitiert. Auf der beständigen Jagd nach einem neuen Skandal im Hause studiVZ wurden mal wieder Zusammenhänge aus unserer Sicht mutwillig falsch dargestellt.

In diesem Artikel hieß es zum Beispiel, dass wir Euch - salopp formuliert - an die Polizei verpetzen wenn wir Bilder von Euch beim Konsum von Cannabis sehen.
Diese Schlagzeile wurde eine halbe Stunde nach Veröffentlichung und einer Aufforderung zur Richtigstellung durch uns zwar abgemildert, was die Weiterverbreitung über andere Medien aber nicht verhindert hat.

[...]

Dass wir Daten an Strafverfolgungsbehörden - also Polizei und Staatsanwaltschaft - herausgeben müssen, wenn diese uns ein schriftliches Auskunftsersuchen zukommen lassen, ist weder neu noch unseriös, sondern dient letztlich Eurem Schutz.

[...]

Dass wir Bilder und Daten an die Polizei geben, weil Ihr Euch darauf ein gemütliches Tütchen ansteckt, ist komplett erfunden und gelogen.
So etwas tun wir nicht!

Lange Rede, kurzer Sinn: Wir geben eure Fotos nicht heraus, wenn wir lustig sind, sondern nur, wenn wir danach gefragt werden. Immerhin: StudiVZ kommuniziert, dass es gesetzlich dazu verpflichtet ist, den Behörden Auskunft zu erteilen.

Die eigentlich relevante Information, die StudiVZ seinen Mitgliedern hätte kommunizieren müssen, besteht für mich nun nicht darin, die AGBs noch mal im Gute-Nacht-Geschichten-Tonfall vorzulesen - sondern zu erklären, weshalb Riecke sich so sehr darüber freut, die Daten endlich herausgeben zu dürfen: Gott sei Dank dürfen wir bei Ermittlungsersuchen solche Daten nun herausgeben.” Ich schließe daraus: StudiVZ fühlte sich schon immer mehr den Behörden verpflichtet als der Privatsphäre seiner Nutzer und findet es super, dass es die lästigen Datenschützer bei der Auskunftspflicht endlich los ist. Gott sei Dank habe ich mich längst abgemeldet.

Was geht hier ab?

27. February 2008

So dumm kann StudiVZ-Geschäftsführer Marcus Riecke doch gar nicht sein, oder?

SPIEGEL ONLINE: Konkret: Zu Ihnen kommt ein Staatsanwalt mit 30 Fotos aus StudiVZ-Profilen, die Leute anscheinend beim Kiffen zeigen. Er verlangt Klarnamen zu den Profilen und allen Kommentaren. Was machen Sie?

Riecke: Gott sei Dank dürfen wir bei Ermittlungsersuchen solche Daten nun herausgeben. Nutzungsdaten speichern wir bei allen Nutzern, die uns das erlaubt haben durch ihre Einwilligung.

Entweder die Blogosphäre vermutet richtig, und das Studi/Stasi/Mein/WieauchimmerVZ freut sich diebisch darüber, endlich diese asoziale kiffende Saubande in die Pfanne zu hauen, die sich seine Nutzerschaft schimpft (wohl gemerkt: Kiffen ist in Deutschland meines Wissens nicht illegal, lediglich die Abgabe von Cannabis an weitere Personen und der Besitz größerer Mengen) – oder SpOn haut gerade mal wieder ganz gewaltig seinen Wettbewerber Holtzbrinck in die Pfanne und hat das Interview getürkt. Angeblich ist es davor ja schon mit einer anderen Überschrift erschienen, die auf Druck von StudiVZ geändert wurde.

So oder so – ich bin sprachlos. Ich find’s einfach nur krass, egal wie rum ich das drehe. Aufklärung, bitte!