Die Seele des StudiVZ
28. February 2008
Das PR-Desaster von StudiVZ durch dieses SpOn-Interview ist nicht nur ein schönes Lehrstück für die PR-Ausbildung, sondern offenbart darüber hinaus einen erschreckenden Einblick in die Seele des Facebook-Klons. Zum Hintergrund kurz der Ablauf der bisherigen Geschichte, so wie ich ihn vermute:
StudiVZ-Boss Marcus Riecke hat wenig Ahnung von Interviewtechnik und lässt sich von einem promovierten Psychologen in einem Interview mit netter Gesprächsatmosphäre zu dieser Äußerung hinreißen:
SPIEGEL ONLINE: Konkret: Zu Ihnen kommt ein Staatsanwalt mit 30 Fotos aus StudiVZ-Profilen, die Leute anscheinend beim Kiffen zeigen. Er verlangt Klarnamen zu den Profilen und allen Kommentaren. Was machen Sie?
Riecke: Gott sei Dank dürfen wir bei Ermittlungsersuchen solche Daten nun herausgeben.
SpOn freut sich ob der zugriffssteigernden Aussage und bastelt daraus eine gewohnt boulevardeske Schlagzeile:
StudiVZ-Boss Riecke: “Gott sei Dank dürfen wir Kiffer-Fotos jetzt den Behörden geben”
StudiVZ ist schockiert und versucht alles in die Wege zu leiten, das Interview von der SpOn-Website zu nehmen. Leider beharren die Redakteure darauf, dass die Aussagen von Riecke nun mal so gefallen sind - sie erklären sich lediglich dazu bereit, die zugespitzte Schlagzeile zu ändern.
StudiVZ sendet eine Pressemitteilung aus, die Schlagzeile habe nicht den Tatsachen entsprochen. Unabhängig davon steht die von Riecke ausgesprochene kritische Interview-Passage natürlich nach wie vor im Interview-Artikel.
StudiVZ wendet sich auf seiner Plattform direkt an seine Mitglieder und versucht sie mit einer schwammig formulierten Botschaft im Kumpel-Ton zu beschwichtigen. StudiVZ hofft außerdem, dass seine Mitglieder das Interview nicht lesen und gibt keine Quelle an.
Liebe Community,
einige von Euch haben es sicher mitgekommen und waren - wie auch wir - geschockt. In der Online-Ausgabe eines Nachrichtenmagazins mit professionellem Image wurde unser Geschäftsführer Marcus Riecke falsch zitiert. Auf der beständigen Jagd nach einem neuen Skandal im Hause studiVZ wurden mal wieder Zusammenhänge aus unserer Sicht mutwillig falsch dargestellt.
In diesem Artikel hieß es zum Beispiel, dass wir Euch - salopp formuliert - an die Polizei verpetzen wenn wir Bilder von Euch beim Konsum von Cannabis sehen.
Diese Schlagzeile wurde eine halbe Stunde nach Veröffentlichung und einer Aufforderung zur Richtigstellung durch uns zwar abgemildert, was die Weiterverbreitung über andere Medien aber nicht verhindert hat.
[...]
Dass wir Daten an Strafverfolgungsbehörden - also Polizei und Staatsanwaltschaft - herausgeben müssen, wenn diese uns ein schriftliches Auskunftsersuchen zukommen lassen, ist weder neu noch unseriös, sondern dient letztlich Eurem Schutz.
[...]
Dass wir Bilder und Daten an die Polizei geben, weil Ihr Euch darauf ein gemütliches Tütchen ansteckt, ist komplett erfunden und gelogen.
So etwas tun wir nicht!
Lange Rede, kurzer Sinn: Wir geben eure Fotos nicht heraus, wenn wir lustig sind, sondern nur, wenn wir danach gefragt werden. Immerhin: StudiVZ kommuniziert, dass es gesetzlich dazu verpflichtet ist, den Behörden Auskunft zu erteilen.
Die eigentlich relevante Information, die StudiVZ seinen Mitgliedern hätte kommunizieren müssen, besteht für mich nun nicht darin, die AGBs noch mal im Gute-Nacht-Geschichten-Tonfall vorzulesen - sondern zu erklären, weshalb Riecke sich so sehr darüber freut, die Daten endlich herausgeben zu dürfen: “Gott sei Dank dürfen wir bei Ermittlungsersuchen solche Daten nun herausgeben.” Ich schließe daraus: StudiVZ fühlte sich schon immer mehr den Behörden verpflichtet als der Privatsphäre seiner Nutzer und findet es super, dass es die lästigen Datenschützer bei der Auskunftspflicht endlich los ist. Gott sei Dank habe ich mich längst abgemeldet.
Was geht hier ab?
27. February 2008
So dumm kann StudiVZ-Geschäftsführer Marcus Riecke doch gar nicht sein, oder?
SPIEGEL ONLINE: Konkret: Zu Ihnen kommt ein Staatsanwalt mit 30 Fotos aus StudiVZ-Profilen, die Leute anscheinend beim Kiffen zeigen. Er verlangt Klarnamen zu den Profilen und allen Kommentaren. Was machen Sie?
Riecke: Gott sei Dank dürfen wir bei Ermittlungsersuchen solche Daten nun herausgeben. Nutzungsdaten speichern wir bei allen Nutzern, die uns das erlaubt haben durch ihre Einwilligung.
Entweder die Blogosphäre vermutet richtig, und das Studi/Stasi/Mein/WieauchimmerVZ freut sich diebisch darüber, endlich diese asoziale kiffende Saubande in die Pfanne zu hauen, die sich seine Nutzerschaft schimpft (wohl gemerkt: Kiffen ist in Deutschland meines Wissens nicht illegal, lediglich die Abgabe von Cannabis an weitere Personen und der Besitz größerer Mengen) – oder SpOn haut gerade mal wieder ganz gewaltig seinen Wettbewerber Holtzbrinck in die Pfanne und hat das Interview getürkt. Angeblich ist es davor ja schon mit einer anderen Überschrift erschienen, die auf Druck von StudiVZ geändert wurde.
So oder so – ich bin sprachlos. Ich find’s einfach nur krass, egal wie rum ich das drehe. Aufklärung, bitte!
BarCamp Hannover: Jetzt anmelden!
5. January 2008
Heute wurden die Anmeldelisten für das BarCamp Hannover geöffnet, das am 23. und 24. Februar an meiner Uni steigen wird. Achim und ich würden uns als Teilnehmer und Mit-Orgas freuen, bei dieser Gelegenheit einige Leser von internetszene.com in natura zu sehen. Jemand dabei?
Update: Sascha Aßbach zeigt sehr anschaulich, wie die Anmeldung funkioniert.
News: Internet verdrängt TV &. Co.
3. January 2008
Die European Interactive Advertising Association (EIAA) hat in Teilen Zentral- und Nordeuropas Menschen bezüglich ihrer Mediennutzung befragt. Der Studie zu Folge sind in den 10 befragten Ländern Europas mittlerweile 169 Millionen Menschen online - im Durchschnitt satte 12 Stunden pro Woche. Besonders stark steigt die Nutzung des Internets bei den 16- bis 24-jährigen - sie nutzen das “neue” Medium mittlerweile 10 Prozent mehr als beispielsweise den TV.
Als Resultat wird vor allem das hohe Potential innerhalb des rasanten Wachstums herausgestellt, das Vermarkter in Zukunft noch mehr nutzen können, wenn sie das Userverhalten besser verstehen lernen.
Die sechsseitige Zusammenfassung der Studie auf Grundlage von Befragten aus Belgien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, den Niederlanden, Norwegen, Schweden und Spanien findet sich hier.
Österreich wir kommen!
20. December 2007
Internetszene.com bekommt einen österreichischen Ableger. Unter Internetszene.at gibt es ab sofort Beiträge über Startups, Trends und Entwicklungen der österreichischen Internet-Branche. In Interviews werden ebenfalls Gründer und Medien-Experten zu Wort kommen.
Unser Ziel ist es, Gründern, Investoren und allen Web-Interessierten lesenswerte Berichte vom österreichschen Markt zu liefern.
Herausgegeben wird Internetszene.at von Thomas Gabriel. Eine rasche Erweiterung des .at Autoren-Teams ist geplant.


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