Kinder spielen bei Panfu

27. January 2008

Panfu ist eine virtuelle Welt, in der Kinder aus unterschiedlichen Spiel- und Lernangeboten wählen, ihre Medien- und Sprachkompetenz schulen oder mit anderen Kindern in Kontakt treten.

panfu

Bei Panfu können Kinder ab 6 Jahren in Gestalt eines Pandas eine virtuelle Welt erkunden, spielen, Freunde finden und Englisch lernen. Die Grundversion steht allen Nutzern kostenlos zur Verfügung. Für eine sechsmonatige Mitgliedschaft müssen Eltern 39 Euro zahlen, dafür stehen den Kindern erweiterte Lerninhalte zur Verfügung.

Hinter Panfu steht das Berliner Unternehmen Young Internet GmbH mit den beiden Geschäftsführern Moritz Hohl und Kay Kühne. Die beiden Gründer konnten bereits wertvolle Erfahrung mit ihrem Mikroblogging-Dienst Frazr sammeln. Investor ist u. a. die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck. “Ein Angebot wie Panfu hat es für Kinder im deutschsprachigen Internet noch nicht gegeben. Wir bieten den Kindern wöchentlich neue Geschichten, neue Spiele, neue Welten und damit eine wirklich kindgerechte Seite.”, erklärt Moritz Hohl.

Für Aufsehen sorgte vergangenes Jahr der US-Konzern Disney, als er für 256 Mio. Euro die populäre Kinder-Website Club Penguin übernommen hat. Club Penguin ist eine Online-Community mit derzeit mehr als 700.000 Mitgliedern, die 5,95 Dollar im Monat zahlen. In Deutschland kann der TV-Sender Super RTL mit dem Toggolino-Club rund 70.000 zahlende Mitglieder vorweisen. Ebenfalls unzählige Lernspiele bietet der Toggo-CleverClub seinen 60.000 Mitgliedern.

Sollte den Kindern das Spielen am Computer zu langweilig werden, können die Eltern ihr Glück immer noch bei Betreut.de versuchen. Dort finden hilfesuchende Eltern den passenden, kurzfristig verfügbaren Babysitter.

Wer den ganzen Tag vor dem Bildschirm sitzt, ist um jede Minute froh, die er nicht vor der Pixelschleuder verbringen muss. Um in punkto Web und IT up-to-date zu bleiben, sind deshalb gut gemachte Audio-Podcasts eine augenschonende Informations-Alternative zu Blogs und News-Sites. Wir stellen acht interessante Podcasts vor, die sich mit neuen Medien und Web 2.0 beschäftigen.

Z! Zeitgeist, Entwicklung, Technik (deutsch)
zetIm wöchentlichen Podcast Z! berichten Timon Royer und Matthias Nies über aktuelle Entwicklungen in der Technik, der IT-Branche und den neuen Medien. Hier liegt Web 2.0 zwar nicht im Fokus, der Podcast bietet aber einen guten ersten Überblick über die Netz-Themen der Woche. Z! besticht mit einem angenehmen Mix aus News, Kommentaren und Fachgesimpel, den die beiden Macher immer sehr gut vorbereiten. Besonders hervorzuheben sind dabei die oft seitenlangen Shownotes zu den Folgen, die viele nützliche Links zu den besprochenen Themen enthalten.

Vier Nasen tanken Super (deutsch)
2.gifIn völlig unregelmäßigen Abständen und irgendwie fast ohne Konzept treffen sich Heiko Hebig, Nico Lumma, Mario Sixtus und Sebastian Keil virtuell zu ihrer Skype-Runde Telefonkonferenz-Runde “Vier Nasen tanken Super”, um über das Neueste im Web zu sprechen. Dazu laden die vier Internet-Experten gerne auch mal interessante Medienmacher ein oder holen sich Gäste per twitter in die Show. Wahrscheinlich ist es gerade die lose Struktur und die lockere Atmosphäre, die den Podcast so hörenswert macht.

Blick über den Tellerrand (deutsch)
Blick über den Tellerrand Alex Wunschel ist Marketing- und Kommunikationsberater und so eine Art Urgestein der deutschen Podcaster-Szene. Die einen halten ihn für einen Schwafler, die anderen für den “almighty Podpimp”. An seinem Podcast “Blick über den Tellerrand” jedenfalls kommt keiner vorbei, der sich für die aktuellen Entwicklungen im Markt mit den neuen Medien - insbesondere mit Podcasts - interessiert.

bél etage (deutsch)
bél etage Die wirtschaftlichen Aspekte von Web 2.0 besprechen Thomas Knüwer und Hans-Peter Siebenhaar in dem vom Handelsblatt professionell produzierten Podcast “bél etage”. Die Podcast-Folgen sind oft mit hochkarätigen Interviewpartnern aus Medien, Werbung, PR und Marketing besetzt. Volontäre der Georg von Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten präsentieren ergänzend die Medien-Schlagzeilen der Woche.

Werbeblogger Late Night Podcast (deutsch)

Werbeblogger Zur Zeit sind die Werbeblogger am Herumexperimentieren, wie sie ihren Podcast in Zukunft am Besten aufziehen können. Aktuell probieren sie es mit einer eher lockeren “Late Night”-Runde, in der Patrick Breitenbach, Roland Kühl-von-Puttkamer, Tim Keil und Marcus Brown aka The Kaiser über Marketing 2.0, Werbung in den neuen Medien und über das Agenturleben plaudern.

for immediate release (englisch)
for immediate release Man braucht schon einen langen Arbeitsweg oder einen ereignislosen Feierabend, um regelmäßig alle Beiträge von Shel Holtz und Neville Hobson zu hören. Die beiden liefern zwei Mal die Woche ihren einstündigen Hobson and Holtz Report per RSS aus und dazwischenn unzählige Interviews und kurze Info-Clips. Wer bei der Informationsflut trotzdem mithält, wird mit einem umfangreichen Hintergrundwissen rund um PR, Kommunikation und Technologien im Web 2.0 belohnt.

This Week in Tech (englisch)
This Week in Tech “This Week in Tech” - kurz TWiT - ist das Flaggschiff des Netcast Networks von Leo Laporte. Der US-amerikanische Journalist ist weltweit einer der erfolgreichsten Podcaster und hat sein Handwerk im professionellen Fernsehen und Radio gelernt. “This Week in Tech” glänzt vor allem mit einer hochkarätigen Besetzung an Netz-Experten und IT-Journalisten, die wöchentlich über Technologie, Web 2.0, Start-Ups und Medienkonzerne diskutieren. Dabei gewähren sie einen tiefen Einblick in die für uns Europäer so weit entfernte Welt des Silicon Valley.

net@nite (Englisch)

net@nite Ebenfalls zu Leo Laportes Netcast Network gehört net@nite. Die Kanadierin Amber MacArthur bespricht gemeinsam mit Leo Laporte die coolsten Webseiten, spannende YouTube-Persönlichkeiten und den Klatsch und Tratsch der amerikanischen Webszene. Net@nite wird als Live-Sendung aufgezeichnet, bei der Zuhörer anrufen und ihre Lieblingsseiten anpreisen können.

In den letzten Tagen habe ich tatsächlich mit dem Gedanken gespielt, mir ein SZ-Abo zu bestellen. Die finale Entscheidungshilfe gegen ein Abo kam gestern von der SZ selbst mit Bernd Graffs Artikel “Web 0.0: Die neuen Idiotae.”

Da auch ich politische Korrektheit in der Regel für überbewertet halte, konnte ich über Graffs anti-demokratische Statements wie die folgenden zumindest schmunzeln: “Wir müssen uns die Kräfte des freien Meinungsmarktes als äußerst destruktiv vorstellen.” und “Das von US-Visionären importierte Problem ist, dass man dem unter dem Mantel des Web 2.0 rumorenden Plebiszit die Zukunft anvertrauen möchte.” Dass die ach-so-gesellschaftsliberale Süddeutsche Zeitung Anhängern von Plato’s aristokratischem Ideal eine Meinungsäußerungsplattorm bietet, kann ich in gewisser Weise respektieren: Solche Menschen haben es schließlich in Deutschland geschichtlich bedingt nicht einfach.

Spätestens bei der Mär von den Massenmedien als Qualitätsgarant lief das Zynismus-Fass dann aber über: “Die etablierten Medien verfügen über rigide Aufnahmeverfahren und praktizieren bei journalistischem Fehlverhalten im besten Fall Sanktionierungen.” Komisch, dachte ich, dass ausgerechnet ein Blog als einzige Institution die Bild halbwegs aufmerksamkeitsstark zu kritisieren imstande ist. “Was aber wiegt dann mehr? Dass das immer elitäre Denken der Mainstream-Medien im Zweifel undemokratisch ist? Oder, dass daraus Qualität entsteht?” Ach ja, dachte ich, die Trash-Sender hatten mir ja eine so hohe Qualität beschert, dass ich letztes Jahr die TV-Karte aus meinem Rechner geschmissen habe. Seither bleibt mir mehr Zeit dafür, “Loser-Generated Content” (Zitat Graff) zu nutzen – der “Wissensgesellschaft mit Verantwortung” habe ich also offenbar freiwillig den Rücken gekehrt. Muss ich mich selbst bedauern?

Update:

Robert Basic, Thomas Knüwer und Manuel Heßling schreiben in ihrer Graswurzel-Unterwelt richtig gute Feuilleton-Beiträge zum Thema “Web 0.0″.

Mark Zuckerberg, Gründer von Facebook, hat in einem Eintrag im Facebook-Blog Fehler beim Start der Social-Ad-Plattform Beacon eingestanden. Einen Monat nach Einführung von Beacon können Facebook-Mitglieder nun den Dienst, der über ihre Einkäufe und andere Tätigkeiten bei Facebook-Werbepartnern im Facebook-Newsfeed informiert, im Profil deaktivieren.

Damit reagierte Zuckerberg mit Verspätung am Mittwoch auf die Kritik vieler Blogger und Newssites, mit dem Dienst Beacon die Privatsphäre von Nutzern zu verletzen. Mit klaren Worten stellt er im Facebook-Blog fest: “Wir haben beim Erstellen des Features viele Fehler gemacht, aber noch mehr falsch gemacht haben wir beim Umgang mit den Fehlern. Wir haben einfach schlechte Arbeit bei der Veröffentlichung von Beacon geleistet, und ich entschuldige mich dafür.”

Opt-out vs. Opt-in

Bereits vor einer Woche hatte Facebook das Werbe-System von Opt-out auf Opt-in umgestellt. Seitdem werden automatische Einträge von externen Webseiten nur dann im Newsfeed vom Nutzerprofil angezeigt, wenn der Anwender dies beim ersten Kontakt explizit bestätigt. Nicht eingegangen ist Zuckerberg bei seinem Eingeständnis auf neuerliche Anschuldigungen, Facebook sammle trotz Opt-Out weiterhin die Daten von Nutzern, wenn sie auf den Webseiten von den an Beacon teilnehmenden Unternehmen surfen.

Beacon ist ein seit Anfang November in Facebook implementierter Service, mit dem Unternehmen die Aktivitäten ihrer Kunden auf der Unternehmens-Webseite an Facebook übermitteln können. Im Zentrum steht dabei die Idee der “Social Ad”: Kauft ein Facebook-Nutzer beispielsweise bei Overstock.com einen Tisch oder mietet er sich bei Blockbuster einen Film, erscheint ein entsprechender Eintrag in seinem Facebook-News-Stream, und damit auch auf den Profilen seiner Freunde.

Vertrauen der Nutzer verspielt

In der Blogosphäre wird die Debatte um Datenschutz in Facebook auch nach Zuckerbergs Entschuldigung und den aktuellen Änderungen nicht abreißen. Zu groß ist der Vertrauensbruch, den Facebook sich geleistet hat. Jeder Webdienst muss sich an irgendeinem Punkt mit der Kritik um den Umgang mit sensiblen Nutzerdaten auseinandersetzen, spätestens wenn er anfängt, mit den Daten Geld zu verdienen. So haben sich schon Microsoft, Google, StudiVZ und viele andere das Vertrauen ihrer Nutzer verspielt.

Und der eine oder andere Websurfer sollte sich einmal die Frage stellen, wieso er zwar Microsoft, Google, Yahoo und StudiVZ als größte Feinde des Datenschutzes Datensammler im Internet verteufelt, im selben Atemzug aber in Facebook Reiseziele, Lieblingscocktails, IQ-Test-Ergebnisse und sämtliche Urlaub- und Partyfotos veröffentlicht.

Seit August bietet die deutsche Plattform justaloud Musikern die Möglichkeit, kostenlos und unkompliziert ihre Musik zu verkaufen. Den Preis der Songs bestimmt die Community. Im Interview sprechen die Gründer Feliks Eyser, Marc Boeker und Christopher Beuchert über das Konzept, die rechtlichen Aspekte bei der Gründung, “Unternehmer sein im Unternehmen” und natürlich über ihre Ziele.

Könnt ihr bitte das Konzept von justaloud erläutern?
Feliks: Kurz zusammengefasst: justaloud.com ist eine Musikplattform für unabhängige Künstler und Musikinteressierte. Musiker können bei justaloud.com einen eigenen Shop einrichten und ihre Musik in digitaler Form verkaufen. Außerdem können Künstler sich einer großen Community von potenziellen Fans vorstellen und bei der Verbreitung ihrer Musik von Empfehlungen innerhalb des Netzwerks profitieren.
Auf der anderen Seite haben Musikinteressierte die Möglichkeit neue und unabhängige Musik zu entdecken, Lieder kostenlos vorzuhören und schließlich zu fairen Preisen zu kaufen. Denn bei justaloud.com entscheidet die Community über den Preis der Musik: Ein Song startet immer bei 0 Cent. Je öfter er gekauft wird, desto höher steigt der Preis des Stückes, bis maximal 99c. Wir erhoffen uns dabei, die Verbreitung der Musik innerhalb des Netzwerkes zu fördern und auf lange Sicht für jeden Song einen fairen Preis finden zu können.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen?
Feliks: Die Idee zu der Plattform hatten wir Anfang 2007. Marc und ich haben uns kennengelernt, weil wir beide der Firma studiVZ geholfen hatten, als sie Ende 2007 große Probleme mit Sicherheitslücken hatte. Kurz später ist Chris, unser dritter Mann, dazu gestoßen.

Euer “Baby” ist erst ein paar Tage alt. Wie läuft es denn?
Marc: Kaum hat es laufen gelernt fängt es schon an auf sich aufmerksam zu machen, indem es Wände bemalt, Tischdecken herunterzieht und Andere zum Mitmachen animiert. Und unerfolgreich ist es mit dem Verhalten absolut nicht. Es gibt sogar Leute, die das gut finden und es bereits jetzt finanziell unterstützen.
Feliks: Also mit dem Launch ist alles gut gelaufen und wir sind auch zufrieden mit der Resonanz der Presse.

Welchen Anreiz stellt eure Plattform für Musiker & Fans? Wie würdet ihr eure Zielgruppe definieren?
Chris: Für Musiker ist die Plattform sicherlich wegen der guten Konditionen, es gehen nämlich 85 % vom Gewinn an den Künstler, und wegen der Promotion- und Kontaktmöglichkeiten interessant. Aus Sicht der Künstler ist Justaloud ein interaktiver Musikmarktplatz, der auf Grund seiner Vernetzung die Verbreitung seiner Musik beschleunigt. In diese Richtung wird auch noch einiges an Features kommen. Ein weiterer Hebel für die schnelle Verbreitung ist das Preissystem, das versucht zwar fair gegenüber dem Künstler zu sein, gleichzeitig aber die Verbreitung fördert und nicht dämpft, wie das ein starrer Preis machen würde. Das sehen unsere Künstler natürlich auch.
Für den Hörer stellt Justaloud die Möglichkeit dar, unmittelbar in Kontakt mit seinem Lieblingsmusiker zu kommen und so aktiv teilzunehmen. Außerdem ist der Austausch mit anderen Fans möglich. Wichtig für den Hörer ist aber vor allem, dass Justaloud eine Fundgrube für den individuellen Musikgeschmack darstellt und die Community sich selbst hilft, gute Musik zu entdecken. Wir werden das in Zukunft auch mit automatisierten Vorschlägen verknüpfen.

Ihr habt ein eigenes Community Pricing Modell entwickelt. Wie kommen die Preise zustande? Was erwartet ihr euch von dem dynamischen Preis-Modell?
Chris: Das Preismodell, so wie es im Moment ist, besteht aus den Daten und Erfahrungen, die wir bisher mit Justaloud sammeln konnten. Dass es vielleicht noch zu Anpassungen kommen kann, schließen wir mal nicht aus, es wäre aber auch nicht schlimm, weil das dann einfach Verbesserungen wären. Das Ziel des Community Pricing Modells ist es, Musik innerhalb der Community schnell zu verbreiten. Normalerweise verbreiten sich Informationen in so einer Community viral: Ich finde ein tolles Lied und empfehle das an meine Freunde, von denen ich weiß, dass sie darauf stehen. Gefällt es meinen Freunden, werden sie das auch weitererzählen oder an geeigneter Stelle auf Justaloud anmerken. Ein zu hoher Preis am Anfang dämpft die schnelle Verbreitung innerhalb der Community, oder killt sie sogar ganz. Deshalb startet jeder Song kostenlos und sein Preis passt sich dann an den Grad der Verbreitung an. Außerdem hat so auch der Hörer ein Mittel zur Hand, gute von besserer Musik zu unterscheiden, da sich im Preis auch die Beliebtheit des neuen Songs wiederspiegelt. Für Musik die mir nicht gefällt, gebe ich einfach kein Geld aus.

Wie ist der Name justaloud entstanden?
Marc: Heutzutage kann man froh sein, wenn man eine Buchstabenkombination findet, die kürzer als 10 Zeichen und noch nicht weggeschnappt ist. Manchmal könnte man meinen, es gibt Leute die ihre Katze über die Tastatur laufen lassen und die dadurch entstandenen Domains registrieren lassen. Wir wollten einen Namen der zeitlos, nicht zu webzweinullig und vor allem das beschreibt was wir denken. Endlich mal Dampf machen und den Großen Plattenfirmen zeigen, dass es auch eine Alternative zu ihrer starren Vermarktungsstrategie gibt und “aloud” bietet sich dort perfekt an.
Feliks: Irgendwie auch ein Wortspiel zu Just Allowed. Glaub ich zumindest.
Chris: Auf jeden Fall hat es in meiner Erinnerung eine halbe Ewigkeit gebraucht, bis wir den Namen hatten…

Wie viele Menschen sind für den reibungslosen Ablauf bei justaloud
verantwortlich?

Feliks: Wir sind 3 Gründer, mittlerweile arbeiten 5 Leute Fulltime an justaloud.
Marc: Unterstützt bei unserem Projekt haben uns vor allem das Edelight-Team: Peter Ambrozy, Steffen Belitz und Tassilo Bestler. Auch Carsten Ulbricht von Rechtzweinull und Olli von der Spielerkabine.net haben uns tatkräftigt unterstützt. Kontraproduktiv waren für uns dabei die Formular- und Verwaltungsvorliebe der deutschen Behörden.
Chris: Und natürlich gibt’s noch sehr viele freiwillige Helfer aus unserer Community die uns besonders bei der Entwicklung der Seite durch intensives Testen unterstützt haben. Nicht zu vergessen sind auch die Leute um die es bei justaloud eigentlich geht: Die Künstler, die unser Modell schon so schnell aufgenommen haben und in der Alpha schon Musik eingestellt haben. Wir bekommen jeden Tag Mails mit Zusprüchen von Usern und Künstlern. Das motiviert uns stark.

Ihr seid bislang ausschließlich auf dem deutschen Markt aktiv. Werden
weitere Länder folgen?

Marc: Ich denke der deutsche Markt ist neben den USA ein guter Indikator ob ein Projekt erfolgreich sein kann oder nicht. Wir möchten erstmal testen, ob die Deutschen uns mögen und dann gehen wir gerne ein bisschen auf Europatour. Frankreich würde sich anbieten, da dort sehr viel Wert auf nationale Musik gelegt wird und somit die großen Labels nicht so mächtig sind. Wir denken in Frankreich steckt viel Potential im Bezug auf Direktvermarktung von Musik.
Chris: Ach, ich hab schon ein paar Schweitzer und Österreicher auf Justaloud gesehen :-) Justaloud ist ja ein Social Network und die Erfahrungen anderer Netzwerke zeigen, dass man eine Internationalisierung gut planen muss. Was hier gut läuft, kann ein paar Kilometer weiter ein Flop werden. Deswegen werden wir uns dann damit sehr genau mit beschäftigen.

Justaloud lehnt sich stark an Amie Street an. Ist das euer Vorbild oder inwiefern unterscheidet ihr euch vom US-Startup?
Feliks: Amie Street ist für Künstler toll, die ihre Musik „nur“ verkaufen wollen. Wir wollen von Anfang an mehr bieten. Zum einen mehr Funktionalitäten für die Community und die Vernetzung der Mitglieder, zum anderen auch aktive Promo-Maßnahmen um Künstler zu unterstützen, wie beispielsweise unseren eigenen Internet-TV Sender KARACHOO TV.

In eurem Blog heißt ein Beitrag “GEMA: Geliebt, gehasst, bei Justaloud kein Problem”. Wie liefen die Verhandlungen mit der GEMA?
Chris: Alles in allem sind wir ganz zufrieden. Im Zusammenhang mit unseren Verhandlungen mit der GEMA war das schwerste, dass es überhaupt mal zu Verhandlungen gekommen ist. Bis man da an einem Tisch sitzt, gehen gut und gerne ein paar Wochen vorbei. Die GEMA besaß dann aber fertige Verträge für Music on Demand Dienste. Wir haben eigentlich nur über Details geredet, sodass wir die Verträge fast genauso unterschrieben haben. Für uns ist der Deal ein erster Schritt und wir werden die GEMA mit Sicherheit auch in Zukunft auf Trab halten, denn es gibt schon noch ein paar Dinge, die wir gerne anders hätten. Nun ist die GEMA aber ein großer Laden und da braucht es einfach etwas Zeit, bis Neuerungen durchgesetzt sind. Dass beispielsweise die Vergütungssätze deutlich zu hoch sind, ist dort ja auch schon fast angekommen.

Stellten rechtliche Aspekte bei der Gründung von justaloud keine großen Hürden dar?
Was die rechtliche Grundlage von Justaloud betrifft: Bei uns passiert nichts Illegales. Alle Songs die angeboten werden, sind von den Rechteinhabern eingestellt. Zwar sagt die Rechtssprechung, dass der Plattformbetreiber für seinen Inhalt geradestehen muss, aber wir sehen da kein großes Risiko, da wir relativ schnell merken würden, wenn jemand gegen die Regeln verstoßen würde.

Justaloud ist ein Projekt der Edelight GmbH. Ihr seid dort angestellt und sozusagen “Unternehmer im Unternehmen”. Wie darf man sich das vorstellen bzw. wie funktioniert das?
Feliks: Edelight stellt uns einen guten Rahmen bereit, in dem wir unser Projekt aufbauen können. Die Kooperation kam gegen Anfang des Jahres zustande, in Kontakt sind wir gekommen durch den edelight Gründerblog und durch unseren Anwalt, Carsten Ulbricht. Um unsere akademische Ausbildung nicht komplett über den Haufen zu schmeißen hat edelight uns angeboten unsere BA-Studiums-Verträge zu übernehmen, deswegen sind wir offiziell bei edelight angestellt und sehen sporadisch sogar noch eine Uni von innen. Aber justaloud hat Priorität!

Ihr seid relativ junge Gründer. Was war die Motivation, euch in diesem
Alter schon selbständig zu machen?

Marc: Die Hürden die ein “Offline”-Gründer hat, sind im Web deutlich kleiner, da wir Vieles selber kompensieren konnten. Ausgaben für Forschung und Entwicklung, teure Maschinen oder Material haben wir nicht. Mit einfachen Mitteln, der hoffentlich richtigen Idee und einer riesen Portion an Motivation und Optimismus haben auch junge Gründer eine gute Chance. Wenn wir vor einem Problem stehen, haben wir durch edelight einen kompetenten Startup-Ziehvater, der uns mit Tipps und Erfahrung zur Seite steht.
Feliks Für meinen Teil muss ich sagen, dass ich während meiner Schulzeit schon meine erste Firma gegründet hatte (EDV Dienstleistungen für kleine Firmen) und auch davor schon bei einigen Projekten unternehmerisch tätig war. Allerdings ist dieses Projekt jetzt ein paar Nummern größer, als die Sachen davor, gerade das hat mich daran gereizt. Man muss sich ja ständig entwickeln :-)
Chris: Ähnlich bei mir, ich habe früher immer wieder Projekte gestartet. Als Feliks mir von Justaloud erzählt hat, hat es mich gepackt und dann lässt es einen nicht mehr los, bis man es macht.

Welche Websites im deutschsprachigen Raum findet ihr besonders
interessant und warum?

Marc: Gerne lese ich morgens Golem.de und Netzeitung.de, während ich mymuesli.com frühstücke und last.fm höre. In der Vorlesung halte ich mich mit xing.com wach und verbrenne meine Kalorien in der spielerkabine.net. Mein Google Calendar SMS Reminder meldet mir, dass Feliks in einer Woche Geburtstag hat und ich dringend bei unserem Ziehvater edelight.de ein Geschenk suchen sollte, sonst zieht mir Feliks den Stecker und ich muss den Rest meines Lebens offline verbringen.
Feliks: Ich hab gar nicht Geburtstag! Aber worauf ich mittlerweile nicht mehr verzichten kann sind GMail und Netvibes.
Chris: Bei mir ist das Google News und einige Blogs, außerdem hat mir edelight schon ein paar mal aus der Patsche geholfen.

Welche Ziele habt ihr euch für’s erste Jahr gesetzt?
Chris: Schnell wachsen und gute Musik auf Justaloud holen. Ich glaube Justaloud kann innerhalb eines Jahres zu einem bedeutenden Platz für die Verbreitung und das Kennenlernen neuer Musik und für die Kommunikation rund um das Thema Musik werden. Außerdem haben wir noch einige Schlüsselfunktionen auf der Liste, die wir integrieren möchten. :-)

Danke Feliks, Chris & Marc! Ich wünsche euch viel Erfolg.
Das E-Interview führte Thomas Gabriel von Internetszene.com am 07.09.2007.